Montag, 24. Oktober 2011

Das Internet hat auch Abgase

internet-vgwortAktualisiert am 27.07.2012
Und mit Abgasen meinte ich nicht nur die CO2-Emissionen, sondern vor allem die negativen Auswüchse wie Machtkonzentration, Ausbeutung, etc. im oder dank Internet und Digitalisierung.

Meine Empfindungen zum Thema Internet sind aufgewühlt. Da ist nicht mehr nur Begeisterung, sondern auch Unbehagen, nicht mehr nur Zuversicht, sondern auch ... Angst?

Seit einiger Zeit geht mir das im Kopf herum, aber ich konnte es nicht in Worte fassen und war mir auch gar nicht sicher, ob das irgendwen interessiert.

Nun hat aber Sascha Lobo einen schönen Artikel bei Spiegel Online (SPON) Meine Heimat Internet geschrieben. Beim Lesen des Artikels wurde ich an meine alten Internetzeiten in den 1990er Jahren erinnert - damals, als ich noch uneingeschränkt begeistert, wenn nicht gar besessen war, als ich es gar nicht erwarten konnte, morgens an meinen Computer zu gehen und dort zu erforschen, was und wer da draußen in den Weiten des Internets war und mich zu meinen Interessen auszutauschen: Was ist im Leben wichtig? Was macht man in der amerikanischen Bioszene gegen Blattläuse und Schnecken? Bringen Diäten überhaupt wem was? Wie kauft man eigentlich Aktien? Und wie kocht man Mangold?
Mit jedem, den ich kennenlernte, unterhielt ich mich über etwas anderes, je nach gemeinsamen Interessen - an unterschiedlichen virtuellen Orten im Internet, die ich über unterschiedliche Suchmaschinen und Verzeichnisse (Portale) fand.

Internet - so war's


Mein Weg war ein etwas anderer als der von Sascha Lobo, aber das Gefühl der Wärme und Heimat im Internet kenne ich auch sehr gut. Ich habe auch durch das Internet Gleichgesinnte, Freunde, Bekannte und sogar Lieben gefunden. Und einige sind tatsächlich Freunde fürs Leben geworden. Ich war am Anfang bei AOL, das damals damals einen einfachen Zugang zum Internet bot und in dessen internen Reich im Prinzip schon damals vieles wie in einem Social Network ablief (Foren, Chats, Konferenzen ...) - und als AOL-Scout war man zusätzlich in eine Gruppe eingebunden, die sich on- und offline vernetzte. Als der Internetzugang später auch ohne AOL einfach und preiswert möglich war, verließen ich und andere AOL - denn wofür über einen proprietären, kostenpflichtigen Bereich (damals ein Großkonzern) gehen, wenn doch da das große Internet war? Und es war ein Schritt in die Freiheit und zu unbegrenzten Möglichkeiten. (Weswegen es für mich manchmal schwierig zu begreifen ist, wieso manche der Später-Eingestiegenen zufrieden in Facebook sind und den Rest vom großen Internet kaum kennen).

The Thrill is gone?


Doch meine Begeisterung hält sich immer öfter in Grenzen: Ich mag nicht mehr "immer erreichbar" sein und die vielen Informationsströme, zu einem großen Teil zentralisiert über Angebote große amerikanischer Konzerne (Facebook, Google+), aber nicht themen-/interessensmäßig kanalisiert, lassen mich um Atem ringen. Ich brauche jetzt öfter mal eine Auszeit! Das hätte ich mir noch vor einigen Jahren nicht vorstellen können. Ist das nur das Ende einer Verliebtheit, ein Kater nach einer zu langen Party oder was? Was ist passiert?

Wie von uns Besessenen damals vorausgesehen, hat das Internet in fast alle Lebensbereiche Einzug gehalten, ist praktisches Werkzeug geworden, Medium, über das man in Echtzeit kommunizieren kann, es bietet Zugang zu Bildung weltweit, ermöglicht Preisvergleiche/Shopping ohne Grenzen und so weiter. Aber das Wichtigste: Es kann Nähe über weite Entfernungen schaffen.

Das Internet hat die Welt verändert und wird es noch weiter tun. Mit der Kommerzialisierung kann ich grundsätzlich leben, schließlich muss die Infrastruktur (z. B. die Arbeit der Entwickler) und die Informationsrecherche und -aufbereitung (Journalisten, Blogger etc.) ja irgendwie bezahlt werden, aber ...

Das Internet hat auch Abgase


Tatsächlich frage ich mich jetzt manchmal, ob andere Generationen, die den Aufstieg der Technologien ihrer Zeit (Auto, Flugzeug etc.) miterlebt haben, auch so empfunden haben, wie ich jetzt. Waren sie auch erst total begeistert und später bedrückt, als ihnen beispielsweise der Preis des Individualverkehrs wie Abgase/Luftverschmutzung, Zerstörung von Landschaft etc. bewusst wurden? Und welchen Preis nimmt man für was in Kauf?

Die schlimmsten Abgase des Internets für mich persönlich sind aktuell:

  • Cyberkriminalität
    Nicht nur nette Menschen und seriöse Unternehmen, sondern auch Terroristen, Mafia und Pädophilenringe organisieren sich bestens dank Internet. Ist Cyberkriminalität überhaupt beherrschbar, kann wenigstens so viel Schutz wie in real Life geboten werden? Und was ist der Preis dafür?
  • Cyberwars
    Staaten und Unternehmen bespitzeln sich über das Internet, von Staaten bezahlte Hackerarmeen und terroristische Hacker manipulieren Atomkraftwerke, bewaffnete Dronen u. ä. Leider keine Zukunftsvision, sondern schon Alltag.
  • Cybermobbing
    Menschen haben leider auch schlechte Eigenschaften. Und da kann das Werkzeug Internet/Social Media wie ein Katalysator wirken. Wie können potenzielle Opfer besser auf das Internet vorbereitet und geschützt werden?
  • Kommerzialisierung bis zur Perversion
    Konsumenten können dank Datensammlung und -verwertung seitens der Unternehmen bis zum letzten Tropfen kommerziell ausgelutscht werden. Inhalte sind oft nur mehr der Rahmen für Werbeplatzierung mit der Folge, dass auf Qualität nicht wirklich Wert gelegt wird, dass viel geklaut und gescraped wird. Ernsthafte Journalisten werden zu Content-Sklaven degradiert oder von solchen ersetzt. Auch die Suchergebnisseiten zeigen manchmal schon mehr Werbung als Suchergebnisse - sichtbar ist, wer zahlt oder viele bezahlen kann (siehe auch Google: Panda-Alarm). Welche Auswirkungen wird all das auf Bildung, Kultur und Gesellschaft haben?
  • Ständige Verfügbarkeit als Verpflichtung
    Burnout hat sicher viele Ursachen - neben dem Abbau sozialer Netze und der pauschalen Ächtung von Hartz-4-Empfängern durch weite Teile der Politik und Gesellschaft in den letzten Jahren halte ich auch die Verpflichtung zu ständiger Verfügbarkeit in vielen Berufen als einen der Auslöser für Burnout.
  • Zerstörung von heimischen Arbeitsplätzen, Förderung von Ausbeutung, Verödung der Stadtzentren durch E-Commerce
    Einerseits ist es toll, dass das Internet mehr Transparenz schafft und E-Commerce das Einkaufen überregional ermöglicht - günstige Preise, mehr Auswahl etc. Doch dadurch, dass die meisten Konsumenten nur das Billigste - oft in Billiglohnländern mit Kinderarbeit, ohne lästige deutsche Sicherheitsbestimmungen und mit (noch mehr) Arbeitnehmerausbeutung produziert - per Internet kaufen, gehen einheimische Produzenten und der lokale (Einzel-)Handel - also die heimischen Arbeitgeber - pleite. Wenn überwiegend im Internet gekauft wird, dann veröden auch irgendwann die Stadtzentren. Die durch den neuen Trend in Deutschland geschaffenen Arbeitsplätze wie die der Paketdienstfahrer sind größtenteils ausbeuterisch. (Interessanter Artikel: ZDF-Enthüllung: Die verlogene Empörung über Amazon, Zalando und Co.)
  • "Öse" Internet
    Wenn das Internet ausfällt (und es fällt aus, wenn der Strom ausfällt), liegt unser aller Leben in jeder Hinsicht lahm - nicht für ein paar Stunden oder Tage, sondern richtig lange. Es gibt verschiedene Katastrophen-Szenarien - z. B. Sonnenstürme, die Transformatoren über Monate lahm legen können (kein Strom, keine Heizung, kein Trinkwasser ...), die erwartete Änderung des Erdmagnetfeldes ... etc. Bitte bei Interesse selbst recherchieren. Und bitte sagt mir, dass ich nur paranoid bin - und alles, was ich darüber gelesen und gesehen habe, nur Quatsch ist.
  • Mega-Social-Networks wie Facebook und Google+/Google
    Das eine fürchte ich, weil es wie ein universeller Internetstaubsauger alles in sich hineinsaugen will, im anderen sehe ich einen Internetkraken, der über die Integration von Suche, Social-Media, Online-Marketing-Plattform, Applikationen und Daten in der Cloud alles außerhalb von Facebook beherrschen will. Ja, auch ich liebe Google als kreative Firma, aber ... ! Bei beiden: Macht und Einfluss hat, wer stark vernetzt ist oder genug Geld hat, um teure Werbung zu bezahlen. Wobei das "stark vernetzt" und "wer das Geld hat" oft auf das Gleiche hinausläuft, denn wer das Geld hat, leistet sich eben 30 Social-Media-Mitarbeiter, die für Vernetzung sorgen.
  • Ein-Kanal-Kommunikation bei den Mega-Social-Networks
    Sowohl bei Facebook als auch bei Google+ muss ich mich mit allen über alles auseinandersetzen. Wenn ich mit jemandem verknüpft bin, dann kriege ich seine Statusmeldungen, egal zu welchem Thema. Aber will ich mich mit jemandem über Politisches auseinandersetzen, weil ich mit der Person wegen Gartenfragen vernetzt bin? Nein.
  • Verknüpfung der Suche mit den Kontakten im Social Network
    Will ich bei einer Recherche für ein politisches Thema auf Seiten hingewiesen werden, die jemand gut findet, mit dem ich wegen der Begeisterung für rosa Duschhauben verknüpft bin? Nein.
  • Vernetzung als (politische) Macht an sich
    Internet/Soziale Netzwerke hat Menschen geholfen, sich zu organisieren und von totalitären Machthabern zu befreien - das ist gut. Aber ebenso beobachte ich, wie schnell sich unqualifizierte, populistische Meinungen oder nicht verifizierbare Informationen verbreiten. Auch die Mentalität "Schuld sind immer nur die anderen" verbreitet sich nach meinem Eindruck immer mehr in den Mega-Social-Networks. Kultur des Mobs? Ja, ist provokativ gemeint. Dazu kommt noch, dass nicht nur Menschen im Netz unterwegs sind, sondern auch Social Bots, die agieren, als seien sie Menschen, aber doch vor allem zur Manipulation eingesetzt werden.
  • Menschen bzw. ihre Daten als Produkt
    Datenstaubsauger für bessere Services und zur optimierten kommerziellen Ausschlachtung von der Wiege bis zur Bahre versus Datenschutz, Schutz der Privatsphäre, Schutz vor Kriminellen.
  • Großunternehmen werden reicher, Kreative werden ärmer
    Einerseits können Großunternehmen mit Monopolstellung mangels nennenswerter Konkurrenz Preise diktieren - wie Google bei den Google Adwords Preisen bzw. wie viel von den Werbeeinnahmen auf werbefinanzierten Themenseiten und Blogs der Autor/Webseitenbetreiber bekommt, der Google Adsense integriert, und wie viel Google für sich behält. Dadurch werden Monopolisten enorm reich, können sich Entwickler ohne Ende leisten und in Folge kostenlose Services anbieten - wodurch auch in diesem Markt die lästige Konkurrenz kaputtgeht. Andererseits basieren viele Service-Angebote dieser Mega-Unternehmen auf der Arbeit von anderen (Medien, Journalisten), ohne dass diese davon so viel Vorteil haben, dass Journalisten und andere Beteiligte angemessen bezahlt werden können.
  • Internet als Goldenes Kalb
    Ich krieg die Krise, wenn von einer neuen viel besseren Gesellschaft dank Internet gesprochen wird, in der Menschen friedlich und ohne feste Struktururen sich selbst organisieren, ähnlich wie bei Ameisenstaaten - statt der Pheromone haben wir ja das Internet. Also ehrlich - was rauchen die denn? Schließlich sind das im Internet Menschen so wie draußen ... Bei näherem Überlegen, gebe ich aber zu, dass es solche Visionäre braucht, denn ohne Visionen und Vordenker - manchmal eben extremer Art - gibt es keine Weiterentwicklung. Dass man sich aber kritisch mit ihren Ideen auseinandersetzen muss, zeigt der Netzdiskurs: Das Elend der Internetintellektuellen von Evgeny Morozov in der FAZ.

Aber trotzdem - bis auf den letzten Punkt, dass natürlich jeder denken soll, Visionen haben darf und Vorschläge machen soll: Je mehr ich über manche der Entwicklungen nachdenke, desto frustrierter bin ich, denn einerseits bin ich von der Entwicklung in Bezug auf die Technologien begeistert - Google macht coole Sachen - und natürlich auch nach wie vor von der privaten und beruflichen Vernetzung als Austausch zwischen Menschen, der Menschen stärker und klüger machen kann, begeistert - aber gleichzeitig fürchte ich manchmal, wir fahren da auf eine Wand zu. Ist denn diese zunehmende Machtkonzentration im Internet auf ein paar amerikanische Mega-Konzerne, die einerseits bestimmen, was überhaupt sichtbar ist (Google, Facebook), andererseits wie wir konsumieren (Amazon, Apple etc.), nicht noch schlimmer als die Macht der Banken?

Digitale Eingeborene - wir müssen kämpfen


Ich finde ja, Digital Natives sind nicht Jugendliche und junge Erwachsene, nur weil diese aufgewachsen sind, während es das Internet schon gab. Digital Natives sind meiner Meinung nach wir, die wir mit dem Internet zusammen gewachsen und zusammengewachsen sind. Wir sind hier die Eingeborenen - wir sind im Internet heimisch. Müssen wir Digital Natives nicht langsam auch gegen die Machtkonzentration im Internet wirken und auch den Nachgeborenen von dieser Gefahr erzählen - bevor wir zu den Digital Endangered gehören?

Welche Möglichkeiten haben wir? Ich fang mal mit ein paar kleinen Ideen an. Ich würde mich freuen, wenn andere ihre als Kommentare hinzufügen würden - oder ihr schreibt mir, dass ihr mich für paranoid haltet.

  • Die Vielfalt bei Social Networks unterstützen:
    Es geht nicht darum, ob Facebook, Google+, Twitter oder sonst wer besser ist für alles. Wir brauchen viele Social Networks: Xing soll bleiben, Diaspora, Twitter, kleine Berufsgruppen-Netzwerke (z. B. Texttreff, Gulp) - und ja, auch Facebook!
  • Alternative Suchmaschinen (Bing, Ecosia etc.) und Meta-Suchmaschinen (z. B. Metager) nutzen
  • Viele Browser einsetzen und nicht nur einen nutzen
  • Websites, Blogs, Foren und andere dezentrale Möglichkeiten zur Meinungsäußerung, Vernetzung und Diskussion nutzen

Aber reicht das, um - um beim Vergleich mit den Abgasen der Autos zu bleiben - die "Klimaerwärmung" zu verhindern? Kann man sich auf den guten Willen von Staaten, Unternehmen und das Gute im Menschen verlassen (rhetorische Frage)? Muss gegen Machtkonzentration nicht an gesetzlichen Stellschrauben gedreht werden - länderübergreifend? Und müssen wir da nicht langsam drauf drängen, bevor wir den Karren soweit vor die Wand gefahren haben wie beim Klimaschutz oder vor so einem Chaos stehen wie derzeit in Sachen Euroländer-Schuldenkrise/-Bankenkrise? Und müssen wir als Konsumenten nicht auch unser Verhalten stärker reflektieren und anders konsumieren?

Und das wären erst einmal nur mögliche Antworten auf nur einige der oben in der Liste erwähnten Abgase.

Samstag, 8. Oktober 2011

Online-Vorlesungen der Elite-Universitäten für jeden!

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Kommunikation zwischen Menschen findet nicht nur von Angesicht zu Angesicht, sondern auch über Medien statt. Auch Lehren und Lernen sind Kommunikation und schon lange nicht mehr auf Präsenzunterricht beschränkt. Alternativen zum Vortrag im Hörsaal, Seminarraum oder Klassenzimmer sind schriftliche Unterrichtsmaterialien, computerbasiertes Lernmaterial und vieles mehr, was schon seit langem von Fernhochschulen und Fernstudienanbietern/Fernlehrinstituten genutzt wird. Dank Internet sind noch viele Möglichkeiten hinzugekommen, beispielsweise im Internet abrufbare Lern-Videos, Video-Streaming aus Hörsälen über das Internet, Seminare mit Hilfe von Online-Konferenz-Plattformen, Online-Quizzes/-Prüfungen etc.
Zunehmend bieten nicht nur Fernuniversitäten/Fernstudien-Anbieter, sondern auch reguläre Hochschulen Fernstudienmöglichkeiten an - von einzelnen Kursen bis kompletten Studiengängen - so auch manche der bekannten Elite-Universitäten.

Online-Vorlesungen in Harvard


Für mich war es viele Jahre ein Traum, erstens in Harvard (Cambridge/Massachusetts (USA)) und zweitens Informatik zu studieren. Dank Internet konnte ich mir diesen Traum 2009 im Kleinen erfüllen: Ich meldete mich zu dem Computer-Science-Kurs "Building Scalable Dynamic Websites" an, den die Harvard University Extension School nicht nur als Präsenzkurs, sondern gleichzeitig als Internet-Fernkurs anbot. Der Kurs war zwar mit 1.430 Euro teuer, aber er war meiner Meinung nach sein Geld wert: Sowohl die Online-Vorlesungen (die über Video-Streams übertragen wurden), als auch die Seminareinheiten (über eine Online-Konferenzplattform) sowie die gesamte Betreuung durch den Professor, mehreren Seminar-Dozenten und einigen Assistenten per E-Mail, Foren und Chat-Funktionen waren ausgezeichnet und ich habe sehr viel gelernt (Erfahrungsbericht Fernkurs Harvard). Am Ende hatte jeder Teilnehmer vier verschiedene Projekte programmiert - wobei man das letzte selbst vorschlagen und dann nach Freigabe durch Professor und Dozenten verwirklichen durfte (und jeder hat sich etwas ausgedacht, das die Kursinhalte nutzte und hinterher tatsächlich einsetzbar war).
An dem Kurs teilnehmen konnte jeder, der sich rechtzeitig angemeldet und per Kreditkarte bezahlt hat. Empfehlen würde ich es nur jemandem, der einigermaßen gut Englisch spricht und gewillt ist, sich durchzubeißen, denn die Anforderungen sind hoch und die Projekte, die man statt Prüfungen erstellen musste, waren - zumindest für mich, die kaum Programmiererfahrung hatte - sehr schwierig.

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Online-Vorlesungen in Stanford


Seit ich den Kurs in Harvard gemacht hatte, liebäugelte ich mit weiterer Online-Fortbildung - entweder in Sachen Schreiben oder in Sachen Programmieren, denn beides kann ich für meine Veröffentlichungen und Online-Publikationen (tinto) nutzen. Aber das liebe Geld und das ewige Zeitproblem standen dem im Weg - bis ich von einem kostenlosen Datenbank-Kurs der Stanford University (genauer: der Stanford Engineering School mit ihrem Weiterbildungsangebot (extended education)) im Rahmen ihres Open-Classroom-Projektes erfuhr, an dem tausende Teilnehmer weltweit teilnehmen können. Diese kostenlosen Open-Classroom-Kurse können zwar nicht für eine Graduierung genutzt werden, aber es würde sicher eine tolle Erfahrung sein, an einem weltweiten Experiment teilzunehmen. Die Stanford University gilt immerhin als einer der Wachstumsmotoren des Silicon Valley/Kalifornien (USA) und ihre Professoren sollen zu den besten der Welt gehören. Ich meldete mich an.

Mein Kurs Introduction to Databases hat offiziell Anfang Oktober 2011 angefangen, aber ich bin beeindruckt, wie professionell und pannenfrei alles abläuft - trotz der sehr vielen Teilnehmer (inzwischen ca. 80.000 mit weiter steigender Tendenz) aus allen Ländern der Welt. Wir lernen über Video-Vorträge und bereitgestellte oder empfohlene Unterrichtsmaterialien, machen Online-Multiple-Choice-Tests (Quizzes) und Übungen (Exercises), die benotet werden, und müssen in der Mitte und zum Schluss jeweils eine Prüfung (Examen) absolvieren. Zwar winkt am Ende kein akademischer Grad (non-credit course), sondern nur eine Teilnahmebestätigung durch die Professorin, wenn man bis zum Ende durchgehalten und alle Tests und Prüfungen erfolgreich bewältigt hat - aber man lernt sehr viel und kann sich mit Menschen aus aller Welt vernetzen. Da ich dank des Harvard-Kurses kein blutiger Anfänger mehr bin, sollte ich das Pensum auch mit ein paar Stunden pro Woche schaffen - und insgesamt dauert der Kurs nur 3 Monate. Toll finde ich, dass die Unterrichtsmaterialien und die ersten Tests schon sehr früh online gestellt wurden, so dass man vorarbeiten konnte, und dass man flexibel ist, wann man was macht - es gibt nur Etappen-Deadlines, bis wann man welche Tests und Übungen gemacht haben sollte und für die Examen werden kleinere Zeitfenster geöffnet. Der Kontakt zu den Mitstudenten, der Professorin und Ihrem Team erfolgt über FAQs (Frage-Antwort-Listen), Frage-Antwort-Forum, Newsletter und Youtube-Videos ("Screenside-Chat"). Die Studenten untereinander vernetzen sich darüber hinaus in Eigenregie über ein weiteres Forum und Google+.

Online-Vorlesungen ermöglichen individuelleres Lernen


Bei beiden Kursen empfand/empfinde ich es als sehr positiv, meine Zeit frei einteilen und das Lernen an meinen (Berufs-)Alltag anpassen zu können. Da die Informationen hauptsächlich über Video-Vorträge vermittelt werden (auch Live-Video-Streams von Vorträgen waren später im Video-Archiv verfügbar), ist das Lernen wesentlich angenehmer und konzentrierter als bei reinem Präsenzunterricht, da man ein Video jederzeit anhalten kann, um sich in Ruhe Notizen zu machen, einen Begriff nachzuschauen oder um den letzten Gedankengang noch einmal in Ruhe nachzuvollziehen.

Online-Vorlesungen aus Sicht der Universitäten


Aus Sicht der (Elite-)Universitäten sind Online-Vorlesungen auch eine Art der "Unternehmens-"Kommunikation - mit ihnen zeigen sie beispielsweise ihr Können, ihre Methoden und dass sie mit der Zeit gehen. Mit dem Anbieten von Online-Vorlesungen verbessern sie ihren Bekanntheitsgrad und ihre Reputation und sie können neue Zielgruppen ansprechen. Die Nutzung digitaler Medien macht vermutlich auch Auswertungen des Lernverhaltens und dadurch wiederum weitere Verbesserungen bei der Wissensvermittlung möglich. Über Newsletter und/oder entsprechende Online-Angebote (Kommunikationsplattformen, Social Media) kann der Kontakt zu Absolventen und zwischen Absolventen auch nach Abschluss der Kurse bzw. eines Studiums aufrechterhalten werden.

Online-Vorlesungen - auch eine Möglichkeit für deutsche Hochschulen und Unternehmen?


Fachkräfte sind umkämpft und angesichts des Fachkräftemangels könnten Online-Vorlesungen bzw. Online-Fortbildungen, die von deutschen Hochschulen und/oder Unternehmen angeboten werden, möglicherweise ein Weg zur Kontaktherstellung, Ausbildung und Rekrutierung von möglichen Fachkräften sein. Allerdings setzt das Anbieten von Online-Vorlesungen und -Prüfungen die nötige Infrastruktur in höchster Qualität voraus - sowohl technisch, als auch personell - um die oben erwähnten Kommunikationsziele zu erreichen. Plattformen wie Lecturio bieten Unternehmen, Experten etc. Möglichkeiten zur Aufzeichnung und Bereitstellung von Lernmaterial - sie können zumindest eine (Überbrückungs-)Hilfe sein. Deutsche Hochschulen und Unternehmen müssen aufpassen, dass sie bei diesem Trend nicht den Anschluss verpassen.

Nachtrag:
Aus der Initiative der Stanford University entstanden 2012 zwei Start-ups: Coursera und Udacity - zwei MOOCs-Plattformen. MOOC steht für Massive Open Online Course.
Hier gibt es weitere Erfahrungen und Informationen:

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Sonntag, 4. September 2011

Facelinking: Den Blog mit dem eigenen Gesicht bewerben

Kürzlich wurde ich per E-Mail kontaktiert, ob ich nicht meinen Blog "Text & Kommunikation" bei FACELINKING vorstellen möchte. Ich rief die URL auf und fand ein Linkverzeichnis der etwas anderen Art: Ich blickte in eine Fotogalerie voller interessanter Gesichter. Mit einem Klick auf ein Foto wurde ich zu einem Artikel weitergeleitet, in dem die abgebildete Person sich selbst und ihren Blog ausführlich vorstellte. Beim zweiten Hinsehen sah ich, dass es auch Kategorien gab, die man zum Stöbern nach Themen nutzen kann.

Ich fand den FACELINKING.com-Internetauftritt sympathisch und professionell - und freute mich über die Möglichkeit, hier potenzielle Leser für meinen Blog zu finden und auch einen Backlink (Blog bekannt machen) zu erhalten. Also machte ich mit!

Bei meiner Recherche fand ich heraus, dass Facelinking noch ganz jung ist - die Domain wurde erst im April 2011 angemeldet. Auffällig ist, dass es auf der Site überhaupt keine Werbung gibt und bis jetzt kein Geschäftsmodell erkennbar ist. So viel Arbeit nur aus Spaß an der Freud?

Ich entschloss mich, Michael Hebenstreit, den Betreiber von FACELINKING.com zu interviewen. Hier meine Fragen (kursiv) an ihn und seine Antworten:

Warum wurde Facelinking von Dir ins Leben gerufen? Was war der Anlass und was die Intention?

Hallo Eva, ich möchte mich zuerst bei Dir für dieses kleine Interview und die Möglichkeit, FACELINKING.com kurz auf deinem Blog vorzustellen, bedanken. Das Projekt entstand eher aus einer Laune heraus. Ich hatte die letzten Jahre immer mal wieder ein paar Ideen für ein kleines Internetprojekt, aber hatte nie wirklich Zeit und Lust etwas umzusetzen. Irgendwann, als ich auf einem der vielen Webkataloge gelandet war, hatte ich die Idee zu FACELINKING.com. Herkömmliche Blogverzeichnisse und Webkataloge fand ich irgendwie langweilig und auch relativ unattraktiv, um auf der Seite zu verweilen. Ich wollte ein Portal kreieren, auf dem sich Blogger, Webmaster, Entertainer und Unternehmer gleichermaßen persönlich vorstellen und ihr Internetprojekt präsentieren können. Es sollte allerdings kein herkömmliches Artikelverzeichnis sein und ich wollte unbedingt eine nutzerfreundliche Navigation und eine übersichtliche Struktur schaffen. Der Besucher sollte entspannt auf der Seite surfen und gleichermaßen gezielt in Kategorien stöbern können. Da kam mir die Idee mit den Gesichtern und so war FACELINKING geboren. Irgendwie ist es doch auch spannend zu sehen, wer hinter den entsprechenden Internetprojekten steckt, oder? Es verleiht der ganzen Sache einen persönlichen Touch und erhöht zudem die Klickrate. Wir haben auch noch viele Ideen, wie wir das Portal in Zukunft weiterentwickeln werden.

Laut Impressum ist FACELINKING.com ein rein privates, nicht kommerzielles Projekt. Wird das so bleiben? Wie finanziert sich FACELINKING.com?

Wie bereits erwähnt, ist FACELINKING.com als Hobby entstanden. Ich wollte ein Portal schaffen, welches dem Besucher Spass macht und auf dem man in einer Ruhephase entspannt ein bisschen "rumklicken" und so vielleicht den einen oder anderen interessanten Blog oder eine tolle Website entdecken kann. Zudem kann man sehen, wer sich so alles im Internet tummelt - und das ganz ohne einem der vielen Social Networks sein gesamtes Leben offenzulegen. Den Datenschutz nehmen wir übrigens sehr ernst. Zur Anmeldung sind kaum personenbezogene Daten erforderlich (nur Vorname, URL, E-Mail Adresse und ein Vorstellungstext) und wir geben die Daten selbstverständlich nicht an Dritte weiter. Wir erzielen aktuell keinerlei Einnahmen mit dem Projekt und auch die regelmäßigen Verlosungen werden größtenteils noch selbst finanziert. Wir sind übrigens immer auf der Suche nach Sponsoren für unsere Verlosungen. Wer uns über Verlinkung oder Spenden unterstützen will, findet dazu Informationen auf der Webseite.

Gibt es Aufnahmekriterien oder darf jeder bei FACELINKING.com mitmachen?

Bei FACELINKING.com kann sich im Prinzip jeder verlinken und ausführlich vorstellen. Allerdings macht so etwas in der Regel natürlich nur Sinn, wenn man auch einen eigenen Blog oder eine Website hat. Alternativ kann man sein Foto auch mit einem Social Network Profil oder einem YouTube Channel verlinken. Der Vorstellungstext sollte unique sein und eine Länge von min. 200 Wörtern aufweisen. Die Vorstellungsartikel werden veröffentlicht, erscheinen vorübergehend auf unserer Startseite und werden zudem über diverse RSS Feeds, Twitter (aktuell 800 Follower) und Facebook promoted. Aktuell läuft übrigens eine Verlosung, an der jeder teilnehmen kann - eine Anmeldung bei FACELINKING.com ist nicht erforderlich.

Vielen Dank für das Gespräch. Alles Gute für Dich und dein Projekt.

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