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Sonntag, 2. Februar 2014

Blogger-Ethik: Transparenz muss sein!

Blogger dürfen meiner Meinung nach fast alles, nur nicht ihre Leser hinters Licht führen - erst recht nicht böswillig. Insofern sind Blogger meiner Meinung nach wie Journalisten der Wahrheit verpflichtet.

Eigentlich wollte ich bei der Blogparade Blogger und Ethik von WebLogMarketing aus Zeitmangel gar nicht mitmachen, aber das Thema ist einfach zu spannend.

Was darf ein Blogger und was nicht?


Außer wissentlich falsche Informationen verbreiten, dürfen Blogger meiner Meinung nach fast alles:
  • ihre Meinung mehr oder weniger begründet raushauen, 
  • Erfahrungen teilen, 
  • Stimmung anheizen, 
  • unterhalten. 
Aber auch:
  • Fakten informativ und wertfrei präsentieren  oder
  • Zeitthemen sachlich analysieren. 
Und genauso:

Jeder Blogger, jede Bloggerin und jedes bloggende Unternehmen entscheidet selbst, wie und über was gebloggt wird, und ob er/sie/es das als Hobby, zum Geldverdienen, zur Kommunikation mit Kunden oder aus anderen Gründen tut.

Doch bei allem, was sie tun, sollten Blogger ihren Lesern (nicht zwangsweise den Suchmaschinen) gut erkennbar offenlegen:
  • ob es im jeweiligen Blogartikel um Fakten und sachliche Analyse oder um Meinung, Stimmungsmache oder sogar Verteufelung ("Rant") geht,
    Um dem Leser Orientierung zu bieten, setzt man einen kleinen Zusatz wie "Kommentar", "Feuilleton", "Analyse" o. ä. Hinweise in die Überschrift oder in den ersten Abschnitt, falls die Überschrift als solche ("... ist das Letzte") nicht schon den eindeutigen Hinweis gibt. 
  • ob ein Artikel gesponsert ist,
    Blogartikel, die man für eine Gegenleistung geschrieben hat und in seinem Blog veröffentlicht, muss man als gesponserte Artikel oder Werbung kennzeichnen.
    Auch Blogartikel, die man von anderen erhält und die man gegen eine Gegenleistung in seinem Blog veröffentlicht, müssen als Werbung, Gastartikel-Veröffentlichug gegen Bezahlung o. ä. erkennbar sein. Auch überlassene Produkte oder Artikel für Verlosungen sind Gegenleistungen!
  • Jede Art von Werbung einschließlich gekaufter Links sollten für die Blogbesucher und Leser gekennzeichnet sein. 
Als Blogger ist man seinen Lesern verpflichtet, aber nicht in dem Sinne, dass man ihnen nach dem Mund redet, sondern dass man sie nicht wissentlich und erst recht nicht böswillig hinters Licht führt. Insofern ist ein Blogger, wie auch der Journalist, mit seinen eigenen Inhalten (Texte, Bilder, Videos etc.) der Wahrheit verpflichtet. Natürlich wäre es gut, wenn immer alle Fakten überprüft würden, aber wenn man das nicht kann/will, sollte man auch nicht so tun, als ob. Verweise auf Quellen und weitere Informationen helfen den Lesern, sich selbst ihre Meinung zu bilden.

Im Grunde entspricht mein Anspruch an die Transparenz der Ziffer 7 des Pressekodexes, der besagt, dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht von eigenen oder fremden, wirtschaftlichen und anderen Interessen beeinflusst sein sollen bzw. dass redaktioneller Inhalt von Werbung getrennt bzw. Werbung und eigenes Interesse kenntlich gemacht werden müssen.

Transparenz schafft Vertrauen


Zusätzlich zur Information über den Blogartikel selbst (ob es sich um recherchierte Information, eigene Erfahrung, Rant, Satire oder anderes handelt) und zur Information, was Werbung/gesponsert ist und was nicht, möchte ich (und bestimmt viele andere Blogbesucher) zumindest den Namen des Bloggers wissen und, wenn möglich, ein paar Hintergrundinformationen über ihn/sie erhalten - auch bei einem Unternehmensblog. Man möchte wissen, wer den Blog befüttert, an wen man seine Kommentare richtet, mit wem man diskutiert und wodurch er sich qualifiziert.

Es gibt sicher noch viele Details, die man in eine Blogger-Ethik einarbeiten könnte - ein Vorbild könnte der Pressekodex sein. Doch Transparenz ist für mich das oberste Gebot, dem ich versuche in meinen Blogs, Social-Media-Beiträgen etc. gerecht zu werden.

Weitere Informationen

Donnerstag, 11. Juli 2013

Plausible Deniability - glaubhafte Abstreitbarkeit

Zum ersten Mal habe ich von dem Begriff "Plausible Deniability" im Presseclub "Vorsicht Freund hört mit" am 7. Juli 2013 gehört, bei dem es um die intensiven Abhöraktivitäten von Geheimdiensten wie der National Security Agency (NSA) und der Government Communications Headquarters (GCHQ) sowie weitere Offenlegungen, die wir dem Whistleblower Edward Snowden zu verdanken haben, ging.

"Plausible Deniability" sei ein Konzept, das die plausible Leugbarkeit ermöglicht. Nein, ich kannte Prism nicht, kann man beispielsweise sagen, wenn einem der Projektname Prism wohlweislich nicht mitgeteilt wurde. Das bedeutet jedoch nicht, dass man nichts von einer flächendeckenden Ausspionierung von Daten wusste oder von dem, was der ausländische Geheimdienst sonst so tat. Es wurde vielleicht in Gesprächen ein anderer Name, z. B. ein Codename, verwendet, oder man fragte bewusst nicht nach, um sich später in eine Wolke der Unwissenheit hüllen zu können.

Als ich recherchierte, stellte ich fest, dass "Plausible Deniability" tatsächlich gar nichts Neues ist, bei Wikipedia gibt es längliche Ausführungen zur "Glaubhaften Abstreitbarket". "Plausible Deniability" ist ein Konzept der "Spurenvermeidung" in der Politik, die in den USA in den 1950er Jahren entwickelt wurde: Führungsstrukturen und Befehlsketten werden so gestaltet, dass sie bei Bedarf gut abgestritten werden können, so dass beispielsweise ein Politiker nicht zur Verantwortung gezogen werden kann.

Wenn ich nun lese, dass die Kanzlerin bei Fragen der Wochenzeitung DIE ZEIT zum Thema Prism gesagt habe, sie habe vom US-Spionageprogramm "durch die aktuelle Berichterstattung Kenntnis genommen" und auf die Verantwortung des Kanzleramtsministers für Geheimdienste hinweist, erinnerte das doch unwillkürlich an das Konzept "Plausible Deniability" und irgendwie auch an Bill Clinton's "I did not have sexual relations with that woman". Hat sie möglicherweise nur den Namen Prism nicht gekannt?

Wenn ich desweiteren lese, dass Bundesinnenminister Friedrich sich dahingehend äußert, dass das deutsche Rechtssystem nicht betroffen sei, wenn Datenströme über ausländische Server laufen und die Daten deutscher Bürger und Unternehmen außerhalb von deutschem Boden ausspioniert werden, dann sieht er offensichtlich nicht den Gesprächsbedarf mit ausländischen Regierungen zu eben diesem international zu behandelnden Thema, nicht den Diskussionsbedarf mit eigenen Bürgern und nicht die Notwendigkeit, Bürger-/Menschenrechte, Wirtschaft (Stichwort Industriespionage) und Demokratie zu schützen. Die öffentlich geäußerte Empörung der amtierenden Regierungspolitiker anlässlich der Offenlegungen von Edward Snowden beziehen sich meines Wissens nur auf die verwanzten Botschaften und EU-Gebäude, nicht auf die Ausspionierung der ganz normalen Menschen.

Das ist nicht gut. Die zunehmende Digitalisierung schafft immer neue Möglichkeiten, uns zu überwachen. Es darf aber nicht sein, dass das angebliche "Neuland" zum rechtsfreien Raum für die Politik wird, die die Verantwortung abschiebt, weil Verbindungen und Server außerhalb von deutschem Boden liegen und fremde Geheimdienste die Drecksarbeit erledigen, während man selbst seine Hände in Unschuld wäscht. Unsere Regierung muss offenlegen, was sie wann wusste und billigend in Kauf nahm. Wir müssen sicher sein, dass nicht mit Hilfe von Digitalisierung, länderübergreifenden Netzen und "Plausible Deniability" mal eben Bürger- und Menschenrechte und die Demokratie ausgehebelt werden können.
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Quellen und weiterführende Informationen

Sonntag, 7. Juli 2013

Das Ende des Internets

Überwachung im Internet
Die Überwachung durch die
Geheimdienste hat das Vertrauen
ins Internet zerstört.
... wie wir es kannten oder glaubten, zu kennen.

Das Internet war für mich lange das Medium, das einen Beitrag zu einer besseren Welt leisten würde - weil es die Kommunikation der Menschen untereinander fördert und damit zu mehr Mitgefühl, Verständnis und gegenseitiger Hilfe führen würde. Manche träum(t)en noch viel weiter als ich - von einer besseren Demokratie und sogar von ganz neuen Menschen dank Internet. Tatsächlich sind einige unserer Träume wahr geworden - manche Initiativen im Bildungsbereich, wie die MOOCs, haben meine Erwartungen sogar übertroffen.

Aber wie alles, hat auch das Medium Internet nicht nur gute Seiten, sondern auch "Abgase" - ungute Nebenwirkungen. Diese heißen z. B. Cyberkrieg, Cyberkriminalität, Reduzierung des menschlichen Nutzers auf ein gläsernes, manipulier- und ausbeutbares Marketingobjekt und einiges Schreckliche mehr.

Nun ist durch die Aufklärungsarbeit von Edward Snowden (hätte er einen Presseausweis, wäre er ein investigativer Journalist) noch eine weitere, besonders hässliche Seite ans Tageslicht geholt worden, von der wir Bürger nichts wussten oder zumindest nicht das Ausmaß kannten: Praktisch jegliche Kommunikation und jeder Datenstrom im Internet wird von Geheimdiensten wie NSA, GCHQ und anderen durchforstet und je nach Geheimdienst ganz oder teilweise gespeichert. Traurig auch in dem Zusammenhang die Offenlegung des Whistleblowser Snowden, dass die amerikanischen Megaunternehmen Google, Facebook, Apple und Microsoft der NSA direkten Zugriff aufs Back-End gegeben haben - ohne ihre Nutzer darüber zu informieren.

Zusammenarbeit mit NSA und anderen ausländischen Geheimdiensten statt Diskussionen um Vorratsdatenspeicherung?

Wenn unsere Regierung so ahnungslos war, wie sie jetzt tut, dann glänzt sie mit Inkompetenz. Dann müssen wir die Lachnummer Europas und der Welt sein: die dummen Deutschen mit ihrer Diskussion um Vorratsdatenspeicherung. Und wenn unsere Regierung davon gewusst und es geduldet hat bzw. diese ausländischen Geheimdienstaktivitäten sogar indirekt mitnutzt (und sich auf diesem Wege die lästige Diskussion mit den eigenen Bürgern über Vorratsdatenspeicherung u. Ä. erspart hat!?!), dann hat sie nicht nur aus den Protesten um ACTA nichts gelernt, sondern das Vertrauen der Bürger bewusst missbraucht.

Welche Konsequenzen werden NSAgate und all die aktuellen Überwachungs- und Abhörskandale haben?

Eine Regierung kann man in Deutschland abwählen oder zum Rücktritt zwingen und es liegt am Bürger, ob er das tut. Die nächste Wahl steht ja vor der Tür.

Aber was ist mit dem Internet - kann man diesem Medium jemals wieder trauen? Denn, selbst wenn sich verbindliche Regeln zwischen Staaten vereinbaren lassen, wie will man Geheimdienste (oder Nachahmer) kontrollieren? Gibt es noch einen Weg weg vom total überwachten Internet?

Im Moment stellen sich mir auch so pragmatische Fragen wie: Kann man noch E-Mails verwenden? Kann man noch über die Messenger-Funktionen sozialer Netzwerke kommunizieren?

Nicht, wenn es wichtig ist! So lautet derzeit die Antwort für Journalisten, die ihre Quellen schützen müssen. Selbst wenn man verschlüsselt - empfohlen wird Pretty Good Privacy (PGP) - ist nicht sicher, dass diese Verschlüsselungen in ein paar Jahren auch noch sicher sind. Und man kann natürlich davon ausgehen, dass gerade verschlüsselte E-Mails aus dem Datenstrom gefiltert und gespeichert werden. Und wie sicher ist der Informant dann? Es gibt Informationen, deren Brisanz verblasst nie.

Heute Mittag im Presseclub stellte in der anschließenden Diskussion ein Zuschauer die Frage, wie man als Whistleblower überhaupt noch Kontakt zu den Medien herstellen könne. Es wurde empfohlen, einen herkömmlichen Brief zu schreiben und darin ein persönliches Treffen zu verabreden!

Und was machen Unternehmen, die von ihrem Wissensvorsprung leben - z. B. Maschinenbauunternehmen? Selbst wenn die Geheimdienste nicht automatisch Interessantes aus Wirtschaft und Unternehmen an deren jeweilige nationale Unternehmen weiterleiten, so besteht immer die Gefahr, dass korrupte Geheimdienstmitarbeiter Wissen teuer verkaufen. Wie einfach man sich bei CIA und NSA einschleusen und an geheime Daten kommen kann, zeigt das Beispiel Edward Snowden.

Können also Unternehmen Wichtiges noch per E-Mail kommunizieren oder das Internet als Rechercheinstrument verwenden, wenn sie sicher sein wollen, dass sie nicht Opfer von Industriespionage werden? Nein, eigentlich nicht. Und was ist mit Cloud Computing? Das Vertrauen in die Cloud ist spätestens jetzt dahin.

Das Internet ist zurück beim Militär. Oder war es niemals weg?

Für mich ist das Internet, zu dem es sich in meiner Vorstellung hätte entwickeln können, nicht mehr realisierbar - wenn mich jemand vom Gegenteil überzeugen will: gerne. Auch "The Internet of Things" ist für mich inzwischen eine Horrorvorstellung, weil mich dann auch mein Kühlschrank, mein Staubsaug-Roboter und die Personenwaage ausspionieren und verpfeifen können.

Das Internet, wie es sich jetzt darstellt, gefällt mir in weiten Teilen nicht. Bei allem, was ich privat in einer E-Mail an Meinung äußere, denke ich daran, dass mitgehört und gespeichert wird. Wenn das Laden einer Seite oder das Versenden einer Mail etwas länger dauert, denke ich: Aha, jetzt hat sich ein Abhörprogramm aktiviert und eingeklinkt, um den Datenstrom zu den Filtern der NSA, des GCHQ oder des französischen Geheimdienstes zu lenken. Ich fühle mich bei allem, was ich tue, beobachtet - als säße jemand auf meiner Schulter und schaut, was ich wieder schreibe - dabei hatte ich mich doch für Homeoffice statt Gemeinschaftsbüro entschieden.

Ich mag Überwachung nicht - obwohl ich rein gar nichts zu verbergen habe, außer vielleicht meiner echten Haarfarbe.

Und wie wird es weitergehen? Die Digitalisierung ist schon weit fortgeschritten, doch haben wir Internetenthusiasten doch schon viel weiter nach vorne ins digitale Zeitalter geschaut. Und das würde viele aufregende Neuerungen und Vorteile bringen - wie jetzt noch klarer sein dürfte: nicht nur uns, sondern auch unseren Überwachern. Das Netz der Netze wird sich um uns herum zusammenziehen.

Aktuell wird vielleicht nur überwacht und gesammelt. Aber wie lange wird es dauern, bis das, was über Personen gesammelt wird, schon auf dem Weg von Dritten und Vierten manipuliert wird, oder aber später im Nachhinein verändert wird, um zu beweisen, was man gerade beweisen will.

Das Internet ist für mich am Ende, denn ich sehe nicht, wie man aus dieser Vertrauenskrise wieder herauskommen könnte. Die Geschichte des Internets begann beim Militär - nun haben sie es sich gewissermaßen zurückgeholt.

Vielleicht waren sie aber auch nie wirklich weg, und sie haben uns nur nicht beim Träumen gestört.

Quellen und weitere Informationen

Sonntag, 11. November 2012

Neues von der SEO-Front: WDF*P*IDF und Relevanz

"Content is King" lässt der Quasi-Suchmaschinenmonopolist Google immer wieder verkünden. Aber das wussten wir Autoren, Journalisten und Blogger auch vorher bzw. wir schreiben, weil wir was zu sagen haben. Allerdings: Seit wir für das Internet schreiben, wissen wir auch, dass Schlüsselwörter (Keywords) richtig gewählt und eingearbeitet werden müssen, dass Verlinkung eine Rolle spielt und Ähnliches mehr, damit die Suchmaschine mit ihrem beschränkten Algorithmus unseren schönen Online-Artikel nicht auf Platz 5.345.789 ihrer Ergebnisliste aufführt - quasi unsichtbar für alle, die über Suchmaschinen nach Inhalten suchen (siehe auch: Blogs bekannt machen). Nun gibt es neben Keyword-Optimierung und Backlink-Aufbau wieder neue Buzzwords in der Suchmaschinenoptimierungs- (SEO) Welt - und die heißen WDF*P*IDF (Gewichtungsformel) und Relevanz. 

Ich schreibe und veröffentliche auf meinen Webseiten und in meinen Blogs über Themen, die mir am Herzen liegen und/oder zu denen ich selbst jahrelang Erfahrungen gesammelt habe. Ähnlich der philosophischen Frage um den Baum, der im Wald umfällt, ohne dass es jemand hört: Bin ich ein Autor/Journalist dadurch, dass ich schreibe? Oder werde ich erst dazu, wenn jemand meine Artikel oder Bücher liest?

Ich jedenfalls möchte, dass die Ergebnisse meiner Schreibarbeit, die ich liebe, die aber oft auch mühselig ist, gelesen werden. Deshalb befasse ich mich mit Suchmaschinenoptimierung (SEO). Um von meiner Online-Schreiberei (vielleicht irgendwann) einmal leben zu können, platziere ich zudem Werbung auf meine Webseiten.

Es gibt aber auch eine andere Herangehensweise: Menschen, die nicht selbst das Bedürfnis zu schreiben haben (außer über SEO), aber Geld im Internet verdienen möchten, prüfen mit verschiedenen Tools (beispielsweise mit dem Google Keyword Tool), mit welchen Themen man prinzipiell hohe Werbeeinnahmen via Google Adsense o. a. erzielen kann. Dann lassen sie zu dem Thema bzw. zu einem bestimmten Keyword oder einer Keyword-Kombinationen möglichst preisgünstig und suchmaschinenoptimiert einen Text schreiben und veröffentlichen diesen auf einer Webseite. Sie platzieren Werbung auf der Seite, sorgen für Verlinkung und ergreifen weitere SEO-Maßnahmen, damit sie mit dem eingekauften Text Geld verdienen können.

Man mag von dieser Vorgehensweise halten, was man will - es gibt nicht nur Schwarz und Weiß -, man kann von diesen SEO- und Online-Marketing-Profis einiges lernen. Ich habe damit zuerst aus Verzweiflung begonnen, als ich feststellte, dass ich durch deren Webangebote zunehmend von meinen guten Positionen im Internet verdrängt wurde, die ich hatte, weil meine Seiten schon sehr alt aus Zeiten ohne Konkurrenz waren (und zugegebenermaßen auch eine Überarbeitung nötig hatten). Inzwischen befasse ich mich unregelmäßig mit dem Thema SEO, auch wenn ich SEO nur in Maßen anwende, weil ich mich nicht von einer Suchmaschine und ihren Algorithmus-Updates (Panda, Penguin und wie sie alle heißen) gängeln lassen möchte.

Relevanz - was ist das?

Die Relevanz eines Textes ist der Mehrwert, den er einem Leser zu einem bestimmten Suchwort bietet. Das hört sich zunächst gut und leserfreundlich an. Doch die Relevanz von Texten im Internet wird von einem Suchmaschinenalgorithmus berechnet, der simple Eckdaten miteinander verrechnet, die Ergebnisse miteinander vergleicht und dementsprechend die Suchergebnisse sortiert. Hier hat sich insofern etwas getan, dass es nicht mehr nur auf das Haupt-Keyword ankommt, sondern auch auf verwandte ("relevante") Keywords im gleichen Artikel.

Aus SEO-Sicht heißt das: Statt wie bisher ein Keyword zu bestimmen und dieses in einer bestimmten "Keyword-Dichte" im Text und außerdem im Seitentitel, in Meta-Descriptions, Überschriften, Bildunterschriften, Bild-Title-Tags etc. unterzubringen, müssen nun zusätzlich Relevanzwerte berechnet werden. Die Relevanzwerte des eigenen Artikels müssen besser oder in einem besseren Verhältnis zueinander sein, als die in Artikeln von den Mitbewerbern, sonst reicht es nicht in die Sichtbarkeitszone der Suchmachinenergebnisse. Ein Aspekt der neu entdeckten Relevanz ist, dass nicht nur das Haupt-Keyword ausreichend oft im Text vorkommen muss (wie oft "oft genug" oder "zu viel" ist, weiß man nicht wirklich), sondern auch andere Keywords, die einen Bezug zu diesem Keyword haben - allerdings dürfen sie dem Haupt-Keyword auch nicht zu viel Konkurrenz machen, wie man weiter unten sieht.

Statt Keyword-Dichte lieber Gewichtungsformel?

Mit einem Keyword und der Keyword-Dichte kommt man nach Aussagen einiger SEO-Profis, so z. B. Karl Kratz (Links siehe unten) heutzutage nicht mehr weit. Mehr Aussagekraft habe die Gewichtungsformel oder WDF*P*IDF.

Die Gewichtungsformel WDF*P*IDF ist das Produkt von
WDF, IDF und einem Korrekturfaktor P

WDF und IDF sind Begriffe aus der Textstatistik:
  • WDF steht für Within-document Frequency (Dokumentspezifische Gewichtung).
    Die WDF beschreibt die Häufigkeit eines Wortes i im Verhältnis zur Gesamtzahl aller Worte L in einem Dokument j - bzw. in unserem Fall: die Häufigkeit eines Keywords bzw. einer Keyword-Kombination im Verhältnis zu allen Keywords/Keyword-Kombinationen im Text. Je öfter ein Keyword bzw. eine Keyword-Kombination in einem Text vorkommt, desto größer ist der WDF-Wert. Das ist im Prinzip nichts Neues. Im Gegensatz zur Keyword-Dichte wird der WDF mit Logarithmen berechnet. Mehr Details z. B. bei Wikipedia. 
  • IDF steht für Inverse Document Frequency (Inverse Dokumenthäufigkeit).
    Der IDF setzt die gesamte Anzahl ND von Dokumenten einer Datenbank zur Anzahl f der Dokumente, die ein bestimmtes Keyword/Keyword-Kombination t enthalten. Je größer der IDF, desto weniger Dokumente gibt es in der Datenbank, die das Keyword/Keyword-Kombination enthalten. 
Das Produkt WDF*IDF für ein Keyword ist also rein rechnerisch am besten, wenn das Keyword-/Keyword-Kombination oft im Text vorkommt, es aber gleichzeitig noch wenig andere Dokumente mit diesem Keyword/Keyword-Kombination gibt.

P ist nur ein Gewichtungswert (Korrekturfaktor).

Kratz hat festgestellt, dass es eine Relation zwischen WDF*IDF und der Position in den Suchmaschinenergebnissen (Search Engine Results Position, SERP) gibt. Je höher WDF*IDF, desto besser i. d. R. die Position in den SERPs. Das ist jetzt eigentlich nicht überraschend oder neu, sondern wird nun eben mathematisch ausgedrückt. Kratz hat außerdem bemerkt, dass viele zu einem Keyword gut positionierte Seiten eines gemeinsam haben: dass der WDF*IDF für dieses Keyword deutlich höher ist, als für andere Keywords/Keyword-Kombinationen in dem Text. Eindeutigkeit ist also Trumpf.

Grundlegend neu sind diese Erkenntnisse nicht, man kann jetzt nur alles genauer berechnen. Man sollte bei aller Rechnerei nicht vergessen, dass man ein Keyword auch zu oft einsetzen kann und der Text dann möglicherweise von Google als Spam gewertet wird. Und wie Kratz auch sagt, gibt es ja auch noch andere Faktoren, die die Position in den Suchergebnissen beeinflussen können.

Beim Wettbewerber abgucken

Die neue Onpage-Optimierung mit dem Ziel der Verbesserung der Relevanz führt vor allem über die Mitbewerberbeobachtung - wie das geht, führen Karl Kratz und Philipp Helminger vor (Links unten). Sie analysieren die Mitbewerber-Webseiten und berechnen die WDF*IDF-Werte für die wichtigsten Keywords/Keyword-Kombinationen für die Seiten, an denen sie vorbeiziehen oder zumindest mithalten wollen. Aus den Ergebnissen der Mitbewerberbeobachtung erstellt beispielsweise Kratz die Vorgaben für seine Internettexte. Dann noch die restlichen SEO-Maßnahmen umgesetzt und fertig ist Platz 1 in den SERPs. Schön wäre es - oder auch nicht. Also wird noch weiter gefeilt: Keyword-Abstand, Keyword-Verteilung, partielle Keyword-Häufung, gezielter Einsatz artverwandter Keywords ... Ich frage mich, wo da bei all den Vorgaben noch Raum und Zeit für Inhalte und Sprachliches bleibt.

Noch interessant zu wissen: Helminger hat in seinen Untersuchungen festgestellt, dass bei manchen Keywords bzw. Keyword-Kombinationen die vorderen Plätze inzwischen mit sehr langen Texten belegt sind. Bei seinem Beispiel "HochgeschwindigkeitsSEO" liegen auf den ersten fünf Plätzen Texte mit 3.000 bis 8.000 Wörtern! Seine Empfehlung außerdem: Die Häufigkeitsverteilung relevanter Keywords sollte man an die der Top-Positionen für sein Haupt-Keyword anpassen.

Den Google-Algorithmus füttern - will man das?

Als Autorin, Journalistin und Bloggerin, die ich schon lange auch für das Internet schreibe, gefällt mir diese Entwicklung nicht und ich hoffe, dass sie nur vorübergehend ist. Es kann doch nicht sein, dass das gesamte "Schreibhandwerk" immer mehr, statt endlich weniger dem Algorithmus einer Suchmaschine untergeordnet werden muss, wenn man sichtbar bleiben möchte. Was ist mit der Verwendung von Synonymen, sprachlichen Bildern, etc.? So wichtig eine simplifizierte Sprache in der Technikdokumentation ist, wenn sie zur Alltagssprache wird, dann führt das zu einer Verarmung - nicht nur der Sprache, sondern auch des Denkens.

Ich möchte doch Wissen weitergeben, Diskussionen anregen, unterhalten, mich auf Recherche und das Schreiben konzentrieren, kreativ sein und mich, wenn überhaupt, dann nur am Rande mit SEO beschäftigen müssen.
Zum Glück gibt es noch einige gute Medien, für die es Spaß macht, zu schreiben, und die es aufgrund ihres Markennamens oder eben weil sie Printmedien sind, nicht nötig haben, mit Algorithmen-Fütterei zu buhlen und dafür Sprachvielfalt und -kreativität zu opfern. Doch für uns kleine Blogger und Webseiten-Publisher sind das gerade sehr schwere Zeiten - und sich als SEO-Texter ausbeuten zu lassen, kann auch nicht die Alternative sein. Dann doch lieber sich weiter selbst ausbeuten und Spaß haben.

Ansonsten bin ich der Meinung: Suchmaschinen müssen besser werden und Google braucht stärkere Konkurrenz, damit da mal was vorwärts geht.

Quellen und weiterführende Informationen

Donnerstag, 16. Februar 2012

Urheberrecht aus Sicht eines Urhebers (Autor)

Zurzeit wird viel über ACTA und über das Urheberrecht diskutiert. Viele, die gegen ACTA sind, wollen gleichzeitig das Urheberrecht abschaffen oder drastisch verkürzen. Als Urheber habe ich den Eindruck gewonnen, dass sich zu wenige hauptberufliche Urheber, die tatsächlich vom Schreiben, Fotografieren etc. leben, an der Diskussion beteiligen und dass in der Öffentlichkeit und auch unter den Politikern zu wenig bekannt ist, wie und wovon ein Urheber eigentlich lebt. Daher hier meine Sicht als Autor.

Urheberrecht und ACTA

Die Vermischung der Diskussionen um ACTA, Urheberrecht und Verwertung/Lizenzierung macht mir Angst. Ich traue den ACTA-Gegnern nicht, nachdem in Diskussionen und Interviews ACTA-Gegner als Argument äußerten: „Dann könnte ich bei YouTube ja nicht mehr alles umsonst runterladen“. Sind das die Kinder der Geiz-ist-geil-Generation, die nun alles umsonst haben wollen, was ihnen an Musik, Bildern oder Texten gefällt? Selbst Menschen, die sich intensiver mit der Materie beschäftigen und einen Gegenentwurf zu ACTA entwickeln, schlugen vor, das Urheberrecht solle auf 2 Jahre nach Erstveröffentlichung gekürzt werden. Da frage ich mich schon, ob die überhaupt wissen, wie beispielsweise ein Autor in Deutschland sein Geld verdient. (Für andere Urheber wie Fotografen, Maler, Musiker und auch für andere Länder kann ich nicht sprechen, da ich nicht im Detail damit vertraut bin – die USA hat ja beispielsweise ein anderes Urheberrecht als wir. Ich würde mich aber freuen, wenn sie auch ihre Sicht darstellen, und verlinke dann gerne von hier aus.)

Das (Über-)Leben eines Urhebers am Beispiel Autor

So ist der Weg von der Idee zum Einkommen: Entweder hat ein Autor (= Urheber) eine Idee, über was er schreiben möchte, oder ein Verwerter (im besten Fall ein netter Verlag) trägt eine Idee an ihn heran. Wenn man als Autor selbst keinen Verlag für seine Idee gewinnen kann, aber unbedingt beim Verlag schreiben will, sucht man sich einen Agenten – allerdings sind die ebenso schwer wie Verlage zu gewinnen und möglicherweise finden sie auch keinen Verlag. Hat dann endlich doch ein Verlag angebissen, entwickeln der Lektor des Verlages und der Autor zusammen eine Inhaltsstruktur, wobei der erste Entwurf vom Autor kommt.

Wenn man sich über alles einigen kann, wird ein Vertrag zur Verwertung gemacht, der alle Details zu Rechten und Pflichten von beiden Seiten enthält. Der Verwerter (Verlag) verpflichtet sich im Verlagsvertrag beispielsweise, dafür zu sorgen, dass das Buch gedruckt und unter die Leute gebracht wird. Damit er das kann, muss der Autor ihm bestimmte Rechte einräumen - leider klingt das in den Verträgen immer sehr kompliziert (bei Mediafon kann man recherchieren, was "normal" ist). Was die Bezahlung angeht, kann man als Nicht-Prominenter oder Nicht-Starautor aber doch einigermaßen geschätzter Fachautor meist einen nicht rückzahlbaren Vorschuss aushandeln. Die Höhe des Vorschusses ist sehr themenabhängig und es kommt auch darauf an, was sich der Verlag überhaupt leisten kann – je mehr Vorschuss, desto mehr zusätzliches Risiko für den Verlag, denn letztlich weiß niemand, ob sich das Buch überhaupt verkaufen wird.

Ein Verlagsvertrag ist etwas Gutes. Der Vorschuss deckt bei mir im Durchschnitt etwa den Lebensunterhalt eines Viertels der Zeit, die ich brauche, um das Buch zu schreiben – bei manchen Büchern mehr, bei anderen gibt es gar keinen Vorschuss (je nach Thema bzw. bei Fiktion als unbekannter Schriftsteller in einem kleinen Verlag). Mit anderen Worten: Wenn ich 4 Monate an einem Buch schreibe, dann deckt der Vorschuss (der meist erst bei Manuskriptabgabe oder bei Veröffentlichung fällig wird) im Durchschnitt anschließend einen Monat lang meine Lebenskosten.

Da fragt man sich: Wovon leben Autoren dann die restliche Zeit? Zurecht. Antwort: Von den Honoraren, die über die Jahre noch nachkleckern, nachdem der Vorschuss mit ihnen verrechnet wurde. Wenn mein Vorschuss beispielsweise nach 2 - 3 Jahren mit den tatsächlichen Honoraren aus Verkäufen verrechnet ist, kommt wieder etwas Geld herein – jedes Mal, wenn jemand mein Buch kauft und bezahlt. Aber das sind winzige Beträge pro Buch. Manche Bücher haben dann nach 10 Jahren so viel Geld gebracht, dass die ursprünglich investierte Zeit zu einem erträglichen Stundenlohn führte. Bei manchen Büchern passiert das nie. Das gute Buch, das lange läuft, trägt den Rest mit, der nicht so recht in Fahrt kommt – und das passiert bei vielen Büchern.
[Nachtrag 19.2.2012] Dazu kommt noch das Geld, das die Verwertungsgesellschaft (VG) Wort einsammelt und verteilt. Damit ist in etwa die Miete eines Monats bezahlt - in einem Jahr mehr, im anderen weniger. Das Geld stammt beispielsweise aus geringfügigen Aufschlägen auf Vervielfältigungsgeräte, durch die Nutzer Geld sparen, denn sie müssen nicht das ganze Buch kaufen, wenn sie nur Abschnitte kopieren. [Nachtrag-Ende]

Werden Bücher von unberechtigten Dritten gescannt und als E-Books angeboten (solche Plattformen "E-Books umsonst" gibt es ja im Internet), ist das nach unserem Gesetz Diebstahl zu Lasten des Autors und zu Lasten des Verlages, die die ganze Arbeit und das Risiko hatten. Das Teure am Buch ist übrigens nicht der Buchdruck, sondern die viele Arbeit, die Autoren, Lektoren und viele andere Menschen da reingesteckt haben - deshalb spielt es keine soooo große Rolle, wie viele annehmen, ob das Buch gedruckt oder digital verkauft wird. Wenn es digital verkauft wird, ist allerdings i. d. R. der stationäre Buchhandel nicht mehr beteiligt (dafür wirken Monopolisten auf die Preisgestaltung) - das spart dem Kunden Geld, dafür fehlt ihm die Beratung durch die Fachleute der Buchläden, die aber leider zunehmend pleitegehen und aus den Städten (auch wegen anderer Zusammenhänge) verschwinden.

Verschiedene Geschäftsmodelle für Autoren

Natürlich kann man nicht nur über Verlage publizieren. Als Autorin/Journalistin habe ich schon verschiedene Wege probiert – und ich bin sehr froh, dass es verschiedene Wege gibt: gedruckte Bücher/E-Books mit Verlag, Bücher ohne Verlag, werbefinanzierte Online-Publikationen. Aber wenn ich mich aufs Schreiben konzentrieren will, dann ist die Arbeit mit (einem guten Agenten und) einem Verlag am erfreulichsten, denn dann kann ich das tun, weswegen ich den Beruf ergriffen habe: Schreiben.

Der Verlag hält dem Autor den Rücken frei, entwickelt Buchreihen, kümmert sich um Lektorat, Korrektorat, Layout, Umschlag, Vertrieb und Vermarktung. Wenn ich selbst verlege – egal, ob gedrucktes Buch, E-Book oder Online-Publikation, dann muss ich mich um alles selbst kümmern, d. h. ich muss all dies selbst lernen und umsetzen. Das frisst wahnsinnig viel Zeit und Energie, schließlich muss man mehrere Berufe lernen, in die andere als Azubi oder Student mehrere Jahre reingewachsen sind. Dabei wollte ich einfach nur schreiben.

Leider werden die Verlagsverträge in den letzten Jahren immer schwieriger zu lesen und gehen oft genug in Richtung Total Buy Out. Ein Agent kann dabei helfen, einen besseren Vertrag zu bekommen, möchte aber für seine Arbeit auch bezahlt werden - verständlicherweise. Der Grund für die schlechteren Verträge liegt aber meiner Meinung nach nicht darin, dass die Verlage immer böser werden, sondern weil es ihnen – meinem Eindruck nach – immer schlechter geht. Und das hat natürlich mit den großen amerikanischen Platzhirschen im Internet zu tun, die den Nutzern alles für lau und den Autoren große Erfolge unter Umgehung der Verlage versprechen. Sie machen das nicht aus Gutherzigkeit, sondern sie wollen die Verlage u. a. Verwerter loswerden und selbst das Geschäft machen. Sie interessieren keine Urheberrechte und letztlich auch nicht der Künstler/Autor, sondern nur wie viele Besucher kommen (umso teurer können sie ihren Werbeplatz verkaufen) oder wie sie die Verlage ersetzen können (ohne den Service zu bieten, der nämlich Geld kosten würde).

Ja, die Verlage u. a. Verwerter müssen sich - wie alle - der neuen Situation im Internet stellen. Aber das Urheberrecht abzuschaffen oder drastisch zu kürzen oder überhaupt Gesetze kritiklos an Geschäftsmodelle von Unternehmen anzupassen, ist meiner Meinung nach der falsche Weg.

Urheberrecht- und ACTA-Argumente

Die ACTA-Gegner behaupten, dass ACTA nur den Verwertern in die Hände spiele und die Verwerter seien böse. Nun, die Verwerter (in meinem Fall Verlage) bezahlen mich als Urheber, indem sie mir für jedes verkaufte Buch einen Honoraranteil überweisen – und sie können nur verwerten, was sie von den Urhebern zur Verwertung per Vertrag bekommen haben. Es steht jedem frei, zu schreiben, komponieren, fotografieren und seine Werke als frei zu deklarieren (GNU-Lizenz für freie Dokumentation). Doch ich möchte vom Schreiben leben können. Und wenn mein erster Roman erst nach 25 Jahren entdeckt wird, finde ich, steht immer noch mir das Honorar zu – denn schließlich habe ich über ein Jahr lang in jedem Urlaub, an jedem Wochenende und jeden Abend daran geschrieben (Geld verdienen musste ich damals mit was anderem).

Die ACTA-Gegner wollen keine „Totalüberwachung durch den Staat“ und auch nicht, dass die Tauschplattformen zu Hilfssheriff gemacht werden. Ob das überhaupt durch ACTA verlangt wird, weiß ich nicht – nach der Analyse zweier Rechtsanwälte (Links zu den Artikeln sind unten bei Quellen), steht das nicht drin und sind auch kaum neue gesetzlichen Regelungen in Deutschland erforderlich. Leider sind die ACTA-Gegner nicht so kritisch, wenn es um die Totalüberwachung durch Internet-Unternehmen wie Facebook oder Google geht oder andere, die tracken und bubblen.

Ich möchte auch keine Totalüberwachung durch den Staat und ich möchte auch nicht, dass Jugendliche bei Ersttaten unverhältnismäßig hohe Abmahnungen zahlen müssen, aber ich will, dass Gesetze auch im Internet gelten – allerdings gehören die auch mal eindeutig für das Internet ausgelegt und kommuniziert, statt User und Publisher in Fallen laufen zu lassen, in der Hoffnung, dass Gerichte alles irgendwann klären werden, während sich die Politik irgendwo versteckt. Aber grundsätzlich: Wenn ich die Situation auf ein Gasthaus übertrage: Von einem Wirt verlange ich doch auch, dass er dafür sorgt, dass in seinem Laden das Gesetz eingehalten wird, dass er dort keinen Drogenhandel duldet und Kindern keinen Alkohol verkauft. Warum soll man das nicht auch von einer Internetplattform verlangen können. Die überwachen uns doch sowieso bzw. sammeln Daten wie verrückt. Wie man sieht, machen die Internet-Unternehmen freiwillig wenig nur deshalb, weil etwas richtig wäre, denn jeder Besucher ist für sie ein guter Besucher – die interessieren sich nicht für Urheberrecht oder andere Gesetze, solange die Kohle stimmt und man sie machen lässt.

Ein Urheber will nicht das Haustier der Gesellschaft sein

Das Leben eines Künstlers/Autors ist hart. Aber das weiß man, wenn man damit anfängt. Mag sein, dass es einer Rihanna oder einem Dieter Bohlen finanziell nicht so viel ausmacht, wenn jemand ihre Arbeit kopiert und verteilt. Aber es ist ungesetzlich. Doch ein Künstler/Publizist hat in Deutschland laut Künstlersozialkasse im Durchschnitt ein Monatseinkommen von ca. 1.100 Euro (und die KSK nimmt erst ab einem Mindesteinkommen auf) - in dem Betrag ist auch das enthalten, was die Verwertungsgesellschaften (z. B. VGWort) eingesammelt und verteilt haben. Und das will man dem Künstler/Publizist wegnehmen, indem man das Urheberrecht abschafft oder verkürzt?

Voll die Krätze kriege ich aber, wenn ich von eher dem Sozialismus zugeneigten Menschen in Diskussionen höre, dass „unsere Künstler und Schriftsteller eben einen Pauschalbetrag zum Leben bekommen sollen“ (wenn wir dann mal die Gesellschaft umgekrempelt haben). Aber: Es müsste ja wohl fairerweise erst die Gesellschaft umgekrempelt werden, bevor man Urheber enteignet. Aber auch so will ich nicht wie ein Haustier, das man sich als Gesellschaft leistet, gehalten werden – abgesehen davon, dass ich Verfechter der sozialen Marktwirtschaft und nicht des Sozialismus bin.

Mein Fazit als Urheber (Autor)

ACTA, Urheberrecht und Verwertung sind verschiedene Dinge - darüber muss aufgeklärt werden. Die Auslegung der Gesetze für das Internet sollte eindeutiger kommuniziert, am besten schriftlich veröffentlicht und in Schulen gelehrt werden, denn weder Internetnutzer noch Urheber/Seitenbetreiber können aktuell noch durchschauen, was legal ist und was nicht.

Beispiel: Offensichtlich sind die Vorschaubilder bei Google-Suche legal, aber bei Verlinkungen bei Facebook oder beim Pinnen aus Blogs mit Pinterest/Pinspire nicht (weiß leider nicht mehr, wer das im TV vor Kurzem gesagt hat). Genauso gehört das ganze Tracking-Thema untersucht und eindeutige Regeln aufgestellt – Illegales sollte in Deutschland erst gar nicht angeboten werden dürfen, statt den überforderten Nutzer oder Publisher ins Verderben sausen lassen. Die Politik sollte sich endlich mal dran setzen und die Regeln für die Bürger formulieren.

Diesem Schlamassel aus dem Weg gehen zu wollen, indem man einfach mal das Urheberrecht beseitigt, weil man sich sonst mit mächtigen Unternehmen auseinandersetzen müsste, ist für mich feige und davon abgesehen auch gleichzusetzen mit Enteignung.

[Nachtrag 19.2.2012] Es sollten auch meiner Meinung nach faire Lizensierungs-/Nutzungsmodelle ermöglicht werden. Z. B. günstige Kombiprodukte (Buch + E-Book). Oder Lizenzen für den Inhalt: Wer ein Buch gekauft hat, soll es für einen kleinen Aufpreis auch als E-Book herunterladen dürfen, statt es noch einmal ganz bezahlen zu müssen (Ausnahme E-Books mit extremem Mehraufwand und "Mehrwert" wie interaktiven Grafiken etc.). Die Buchpreisbindung und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels als Sprachrohr der deutschen Buchbranche sollten fairen Innovationen nicht den Weg verstellen. Dementsprechend sollte auch die GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) sich innovativen Lizensierungs- und Nutzungsmodellen öffnen oder sie selbst entwickeln. ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement), bei dem es um die (Art der) Durchsetzung von Gesetzen gegen Produktpiraterie und Markenfälschungen geht, ist für mich ein ganz eigenes Thema. [Nachtrag-Ende]

Aber solange eine große Zahl der ACTA-Gegner gleichzeitig auch Urheberrechtsabschaffer sind bzw. Urhebern und Künstlern die Rechte und die Lebensgrundlage beschneiden wollen, werde ich mich nicht zu ihnen stellen.

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Aufruf
Wenn ihr auch Urheber (Fotograf, Musiker, Journalist, Maler o. a.) seid und davon lebt (also nicht nur schreibt, um eure Dienstleistungen zu promoten) oder Verwerter (Verlag) seid, dann könnt ihr vielleicht auch für andere aufschreiben, wie das mit Kunst/Urheberschaft oder Geschäft und Einkommen bei euch funktioniert. Ich glaube nämlich, dass viele Menschen davon einfach die falsche Vorstellung haben.

Quellen und weitere Informationen


[Nachtrag 16.5.2012]
Gut gefällt mir auch dieses Interview mit Pia Ziefle: Mein Standpunkt ist der des autonomen Urhebers

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Sonntag, 22. Januar 2012

Journalismus für Dummies: Ein tolles Buch für Journalismus-Interessierte, Journalismus-Einsteiger und Blogger

journalismus-dummies-vgwortFachbücher behandle ich normalerweise wie Magazine: Ich blättere sie durch auf der Suche nach für mich neuen Informationen und Aspekten, die ich mir dann abschnitts- oder kapitelweise einverleibe. "Journalismus für Dummies"* von Henriette Löwisch (Wiley Verlag) war anders: Ich fing vorne bei der "Schummelseite" (noch vor der Einführung) an und konnte nicht mehr aufhören zu lesen, bis ich alle Kapitel durch hatte - und zwar Wort für Wort.

Das lag nicht nur an meinem besonderen Interesse am Thema Journalismus, sondern daran, dass das Buch "Journalismus für Dummies" voll ist mit spannenden Geschichten aus dem journalistischen Alltag und dass es den Leser die Abläufe in einer Redaktion miterleben lässt. Immer wieder werden einschneidende Ereignisse der jüngeren Geschichte aus dem Blickwinkel des Journalisten gezeigt und es wird deutlich, wie wichtig guter Journalismus für die Gesellschaft ist und welche Verantwortung ein Journalist ihr gegenüber hat.

Doch natürlich geht es bei "Journalismus für Dummies" auch um das Handwerkszeug - um das Schreiben, genauer: um Ideen, Recherche, Nachrichten und Geschichten sowie um die Darstellungsformen - und um Macht, Ohnmacht und Versagen der Presse (übrigens sehr interessant die Analyse, wie es trotz/wegen der vierten Gewalt im Staat - dem Journalismus - zum Irakkrieg kommen konnte, im hinteren Teil), und auch um die Licht- und Schattenseiten dieses Berufes und der Wege, die dort hinführen.

Journalismus für Dummies:
Die wichtigsten Themen im Überblick

  • Wozu Journalismus gut ist 
  • Das ist guter Journalismus 
  • Das ist schlechter Journalismus 
  • Was Journalisten nicht dürfen 
  • Wo die Nachricht herkommt 
  • Was die Nachricht wert ist 
  • Recherche 
  • Nachrichten schreiben 
  • Wie die besten Storys entstehen 
  • Geschichten und ihre Genres 
  • Wie wird eine Geschichte erzählt 
  • Geschäfte mit Geschichten 
  • Kommentare und Kampagnen 
  • Druck und Gegendruck 
  • Gefragte Eigenschaften des Journalisten 
  • Journalist werden 
  • Als Journalist arbeiten 

Journalismus für Dummies:
Die Autorin

Henriette Löwisch ist eine Journalistin mit klassischer Laufbahn: Von der Badischen Zeitung über die Journalistenschule in München und einem Journalistik-Studium in Deutschland und den USA führte ihr Weg sie zu einer Nachrichtenagentur, bei der sie zunächst als Auslandskorrespondentin die (Nachrichten-) Welt kennenlernte und später als Chefredakteurin die Berichterstattung der Agentur verantwortete - bis sie zurück an die Uni/Schule ging: als Gastprofessorin und Seminardozentin. Mitgewirkt an dem umfassenden Ratgeber hat auch ihr Bruder Georg Löwisch, der selbst Reporter und Dozent ist und von dem sie sagt, er hätte es ebenso gut selbst schreiben können.

Journalismus für Dummies:
Ein Ratgeber, der mein Herz klopfen machte

Die Autorin versteht es, das Besondere dieses Berufes bewusst zu machen: die ethischen Fragen, denen sich ein Journalist stellen muss; die Verantwortung des Journalisten, Dinge beim Namen zu nennen; der Mut zum Standpunkt, der nötig ist, um die Verpflichtung dem Leser und der Gesellschaft gegenüber wahrzunehmen - unter anderem, um "die Mächtigen" in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu kontrollieren. Beim Lesen war ich hin- und hergerissen zwischen Begeisterung und Ehrfurcht.

Auch wenn es ungerecht ist: Ein Buch wird vom Leser unter anderem an dem gemessen, was er erwartet hat. Wenn der Titel falsche Erwartungen weckt, ist die Gefahr groß, dass der Leser enttäuscht wird und das Buch schlecht bewertet. "Journalismus für Dummies" hat meine persönlichen Erwartungen übertroffen: Es bietet Praktisches zum journalistischen Schreiben, Einblicke in den Beruf, Amüsantes und viele Denkanregungen. Aber vor allem entfacht es das Feuer für einen guten Journalismus.

Ob ein Buch vom Leser geschätzt wird, hängt sicherlich auch davon ab, wie empfänglich der Leser oder die Leserin für die Botschaft ist. Bei mir ist die Botschaft angekommen. Das Buch erhält auf jeden Fall einen dauerhaften Platz bei mir im Regal und wird mich bei meiner weiteren Arbeit sicherlich unterstützen. Mein einziger Verbesserungsvorschlag: Jeweils eine Übersicht zur Geschichte des Journalismus, der Reichweite der Verlage und der Bedeutung der Medien zu haben, wäre schön - diese Informationen sind zwar alle im Text enthalten, aber mit einer Tabelle oder Grafik wären sie leichter erfassbar.

Journalismus für Dummies:
Mein Fazit: 5 Sterne ***** (5 von 5)

"Journalismus für Dummies" von Henriette Löwisch (und Bruder) ist ein tolles Buch für Journalismus-Interessierte, Journalismus-Einsteiger und Blogger.

Hinweis: Die Rezension bezieht sich auf die 1. Auflage von 2009, doch gerade ist "Journalismus für Dummies" in der 2. Auflage erschienen:

Journalismus für Dummies*
Henriette Löwisch
Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA
352 Seiten
2. Auflage
ISBN 978-3527707461
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