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Sonntag, 22. Januar 2012

Journalismus für Dummies: Ein tolles Buch für Journalismus-Interessierte, Journalismus-Einsteiger und Blogger

journalismus-dummies-vgwortFachbücher behandle ich normalerweise wie Magazine: Ich blättere sie durch auf der Suche nach für mich neuen Informationen und Aspekten, die ich mir dann abschnitts- oder kapitelweise einverleibe. "Journalismus für Dummies"* von Henriette Löwisch (Wiley Verlag) war anders: Ich fing vorne bei der "Schummelseite" (noch vor der Einführung) an und konnte nicht mehr aufhören zu lesen, bis ich alle Kapitel durch hatte - und zwar Wort für Wort.

Das lag nicht nur an meinem besonderen Interesse am Thema Journalismus, sondern daran, dass das Buch "Journalismus für Dummies" voll ist mit spannenden Geschichten aus dem journalistischen Alltag und dass es den Leser die Abläufe in einer Redaktion miterleben lässt. Immer wieder werden einschneidende Ereignisse der jüngeren Geschichte aus dem Blickwinkel des Journalisten gezeigt und es wird deutlich, wie wichtig guter Journalismus für die Gesellschaft ist und welche Verantwortung ein Journalist ihr gegenüber hat.

Doch natürlich geht es bei "Journalismus für Dummies" auch um das Handwerkszeug - um das Schreiben, genauer: um Ideen, Recherche, Nachrichten und Geschichten sowie um die Darstellungsformen - und um Macht, Ohnmacht und Versagen der Presse (übrigens sehr interessant die Analyse, wie es trotz/wegen der vierten Gewalt im Staat - dem Journalismus - zum Irakkrieg kommen konnte, im hinteren Teil), und auch um die Licht- und Schattenseiten dieses Berufes und der Wege, die dort hinführen.

Journalismus für Dummies:
Die wichtigsten Themen im Überblick

  • Wozu Journalismus gut ist 
  • Das ist guter Journalismus 
  • Das ist schlechter Journalismus 
  • Was Journalisten nicht dürfen 
  • Wo die Nachricht herkommt 
  • Was die Nachricht wert ist 
  • Recherche 
  • Nachrichten schreiben 
  • Wie die besten Storys entstehen 
  • Geschichten und ihre Genres 
  • Wie wird eine Geschichte erzählt 
  • Geschäfte mit Geschichten 
  • Kommentare und Kampagnen 
  • Druck und Gegendruck 
  • Gefragte Eigenschaften des Journalisten 
  • Journalist werden 
  • Als Journalist arbeiten 

Journalismus für Dummies:
Die Autorin

Henriette Löwisch ist eine Journalistin mit klassischer Laufbahn: Von der Badischen Zeitung über die Journalistenschule in München und einem Journalistik-Studium in Deutschland und den USA führte ihr Weg sie zu einer Nachrichtenagentur, bei der sie zunächst als Auslandskorrespondentin die (Nachrichten-) Welt kennenlernte und später als Chefredakteurin die Berichterstattung der Agentur verantwortete - bis sie zurück an die Uni/Schule ging: als Gastprofessorin und Seminardozentin. Mitgewirkt an dem umfassenden Ratgeber hat auch ihr Bruder Georg Löwisch, der selbst Reporter und Dozent ist und von dem sie sagt, er hätte es ebenso gut selbst schreiben können.

Journalismus für Dummies:
Ein Ratgeber, der mein Herz klopfen machte

Die Autorin versteht es, das Besondere dieses Berufes bewusst zu machen: die ethischen Fragen, denen sich ein Journalist stellen muss; die Verantwortung des Journalisten, Dinge beim Namen zu nennen; der Mut zum Standpunkt, der nötig ist, um die Verpflichtung dem Leser und der Gesellschaft gegenüber wahrzunehmen - unter anderem, um "die Mächtigen" in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu kontrollieren. Beim Lesen war ich hin- und hergerissen zwischen Begeisterung und Ehrfurcht.

Auch wenn es ungerecht ist: Ein Buch wird vom Leser unter anderem an dem gemessen, was er erwartet hat. Wenn der Titel falsche Erwartungen weckt, ist die Gefahr groß, dass der Leser enttäuscht wird und das Buch schlecht bewertet. "Journalismus für Dummies" hat meine persönlichen Erwartungen übertroffen: Es bietet Praktisches zum journalistischen Schreiben, Einblicke in den Beruf, Amüsantes und viele Denkanregungen. Aber vor allem entfacht es das Feuer für einen guten Journalismus.

Ob ein Buch vom Leser geschätzt wird, hängt sicherlich auch davon ab, wie empfänglich der Leser oder die Leserin für die Botschaft ist. Bei mir ist die Botschaft angekommen. Das Buch erhält auf jeden Fall einen dauerhaften Platz bei mir im Regal und wird mich bei meiner weiteren Arbeit sicherlich unterstützen. Mein einziger Verbesserungsvorschlag: Jeweils eine Übersicht zur Geschichte des Journalismus, der Reichweite der Verlage und der Bedeutung der Medien zu haben, wäre schön - diese Informationen sind zwar alle im Text enthalten, aber mit einer Tabelle oder Grafik wären sie leichter erfassbar.

Journalismus für Dummies:
Mein Fazit: 5 Sterne ***** (5 von 5)

"Journalismus für Dummies" von Henriette Löwisch (und Bruder) ist ein tolles Buch für Journalismus-Interessierte, Journalismus-Einsteiger und Blogger.

Hinweis: Die Rezension bezieht sich auf die 1. Auflage von 2009, doch gerade ist "Journalismus für Dummies" in der 2. Auflage erschienen:

Journalismus für Dummies*
Henriette Löwisch
Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA
352 Seiten
2. Auflage
ISBN 978-3527707461
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Donnerstag, 1. September 2011

Werbesprache unterm Mikroskop


Werbesprache. Ein Arbeitsbuch

"Werbesprache. Ein Arbeitsbuch" - Versuch einer Rezension

Vor ein paar Wochen habe ich mich bei Blogg dein Buch als Buchrezensentin angemeldet. Ich wollte Bücher rezensieren, die zu meinem Blog "Text & Kommunikation" passen. Als das Buch "Werbesprache. Ein Arbeitsbuch" vom Gunter Narr Verlag angeboten wurde, überlegte ich nicht lange, sondern schlug sofort zu. Schließlich ist Werbung eine Form der Kommunikation und sicher könnte ich aus dem Buch noch etwas lernen.

Wenige Tage später traf das Buch bei mir ein - und beim Auspacken wurde mir klar, dass ich es hier nicht mit einer federleichten Einführung in die Welt der Werbesprache mit ein paar Übungen zu sprachlicher Kreativität zu tun hatte, sondern mit einem umfassenden Werk über Werbesprache aus Sicht eines Sprachwissenschaftlers für andere (angehende) Sprachwissenschaftler.

Das Buch

Werbesprache, ein Arbeitsbuch
Nina Janich
Gunter Narr Verlag
5., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage
(die erste Auflage erschien 1999)
323 Seiten
ISBN 978-3-8233-6550-1
19,90 Euro

Die Autoren

Die Autorin Prof. Dr. Nina Janich ist Professorin für Deutsche Sprachwissenschaft an der TU Darmstadt. Das Unterkapitel "Mikrokosmos Internet-Formate" wurde von Jens Runkehl, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für deutsche Sprache und Literatur an der TU Darmstadt, verfasst.

Die Rezensentin

Ich denke, das sollten Sie wissen: Ich bin zwar seit vielen Jahren Autorin, aber völlig unbelastet von Sprachwissenschaft - jedenfalls was über den normalen Deutschunterricht hinausgeht. Ich konsumierte bisher eher Ratgeber über das Schreiben ("... für Dummies", "Wie man ... "). Dieses Buch von Nina Janich war also ein echtes Abenteuer für mich.

Rezension

Ich merkte schnell, dass ich mir durch den Titel des Buches eine falsche Vorstellung vom Inhalt und von der Zielgruppe, für die dieses Buch geschrieben wurde, gemacht hatte. "Werbesprache. Ein Arbeitsbuch" hatte mich annehmen lassen, dass dieses Buch eine Anleitung mit Übungen sei, welche mir helfen würde, meine Werbesprache zu entwickeln oder zu erweitern, damit ich in Zukunft noch treffendere, witzigere, raffiniertere (Werbe-) Texte formulieren kann. Doch wie die Autorin in ihrer Regieanweisung "Was will dieses Buch" schreibt, "... soll dieses Arbeitsbuch eine erste methodenkritische Hilfestellung für alle sein, die sich sprachwissenschaftlich mit Werbung beschäftigen und eigene Untersuchungen anstellen wollen". Tja, wer lesen kann und es auch tut, ist klar im Vorteil - mea culpa - ich hätte mir die Buchbeschreibung vor der Bestellung genauer anschauen sollen.

Im Buch geht es speziell um Wirtschaftswerbung und die Sprache in der Werbung (nicht die Fachsprache der Werbetreibenden).

Das sind die Haupt-Themenblöcke des Buches:
  • Markt, Kommunikation, Werbesprache
    Erläutert das Umfeld von Werbung und Werbesprache
    • Was ist Werbung
    • Werbewissenschaftliche Orientierung für die Sprachwissenschaft
    • Werbung - eine inszenierte Form von Kommunikation
    • Rezeption und Produktion - zwei Perspektiven
  • Medien und Formate
    als Makrokosmos der Werbung
    • Mikrokosmos Anzeige: Bausteine der Werbung
    • Mikrokosmos Fernsehspot
    • Mikrokosmos Hörfunkspot
    • Mikrokosmos Internet-Formate
    • Mesokosmos Kampagne: Mehrmedialität und Textsortenvernetzung
  • Sprachwissenschaftliche Forschungsfelder
    • Eine methodenkritische Vorwarnung
    • Die pragmatische Perspektive: Absicht - Inhalt - Form
    • Die sprachliche Form: Vom Wort zum Text
    • Besondere Werbestrategien
    • Paraverbales und Nonverbales
    • Eine Art Fazit: "Der Stil" der Werbung
  • Methodische Tipps
    • Vorschlag für ein Analysemodell
    • Aufbau eines Korpus - ein paar Anmerkungen
  • Der Blick über den Tellerrand
    • Diachronie - ein Interpretationsproblem
    • Diskursanalyse - Werbung als gesellschaftlicher Teildiskurs
    • Interkulturalität - die kontrastive Perspektive
    • Werbung und Werbesprache in der Kritik
Soweit ich das als Nicht-Sprachwissenschaftlerin beurteilen kann, ist dies ein gelungenes und ausführliches Studienbuch für Sprachwissenschaftler und solche, die es werden wollen. Es bietet eine gute Heranführung an das Thema Werbung allgemein und beleuchtet die unterschiedlichen Perspektiven, die aus sprachwissenschaftlicher Sicht für eine Analyse von Werbesprache in der Wirtschaftswerbung wichtig sind.

Kleine Kritikpunkte

"Werbesprache. Ein Arbeitsbuch" ist zwar ein Buch von Wissenschaftlern für (angehende) Wissenschaftler, dennoch bin ich der Meinung, könnten manche der langen Textblöcke aufgelockert, gegliedert und lange Sätze auf mehrere gesplittet werden, um die Lesbarkeit zu verbessern. Die Hintergründe von Tabellen und manchen Kästen sind zu dunkel - das macht einen unfreundlichen Eindruck und erschwert die Lesbarkeit. Im einführenden Abschnitt "Aufbau und Textbausteine" würde ich mir eine übersichtliche Liste der verwendeten Symbole und deren Bedeutung wünschen. Ein Thema, das man meiner Meinung nach im Zusammenhang von Werbung und (Werbe-) Sprache im Internet erwähnen sollte, ist die Suchmaschinenoptimierung (Search Engine Optimization, SEO) und ihr Einfluss auf die (Werbe-) Sprache.

Zusammenfassung:

Empfehlenswertes Studienbuch für (angehende) Sprachwissenschaftler **** (vier von fünf Sternen)

"Werbesprache. Ein Arbeitsbuch" ist ein umfassendes und aus meiner Sicht gelungenes Lehr- und Übungsbuch für (angehende) Sprachwissenschaftler, die sich mit Werbung und Werbesprache in der Wirtschaftswerbung auseinandersetzen wollen. Es erläutert werbewissenschaftliche Grundlagen und führt in linguistische Fragestellungen ein, die für die Untersuchung von Werbung und Werbesprache wichtig sein können. Das umfangreiche Wissensangebot wird ergänzt durch Hinweise auf methodische Probleme, Forschungsanregungen, Literaturtipps und praktische Übungen. Einen Stern Abzug wegen kleiner Kritikpunkte an der Form.