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Donnerstag, 19. Februar 2015

Bits und Bytes verstehen dank CS50-MOOC

Harvard’s am besten besuchter Kurs war 2014 ein Informatikkurs: Computer Science 50 (CS50). 825 regulär eingeschriebene Studierende belegten den Kurs, der auch über edX – eine von der Harvard-Universität und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) gegründete Lernplattform – als Massive Open Online Course (MOOC) CS50x angeboten wurde. Für den MOOC hatten sich 366.231 TeilnehmerInnen aus aller Welt eingeschrieben* – ich war eine von ihnen. 

Wir leben inmitten der digitalen Revolution. Der Computer ermöglichte die Raumfahrt und verändert seit dem beständig unsere Arbeitswelt, unser Leben zuhause, wie wir miteinander kommunizieren und unsere Gesellschaft. Und die digitale Revolution ist noch längst nicht abgeschlossen: Viel wird sich noch durch die Realisierung vom „Internet der Dinge“ sowie durch die (Weiter-) Entwicklung von Robotern und so genannter künstlicher Intelligenz verändern. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Gehäuse von Computern, PCs, Notebooks, Smartphones oder Robotern? Wieso können sie, was sie tun?
Mein edX/HarvardX Honor Code Certificate
Seit Jahren befasse ich mich teils neben- und teils hauptberuflich mit Rechnern, Rechnernetzen, ihrer Administration und ihren Kommunikationsprotokollen. Trotzdem blieb da immer eine Ebene, nämlich die der Programmierung, die für mich noch zu viele Geheimnisse enthielt. Zwar hatte ich schon Webseiten programmiert, aber doch mehr über Learning by Doing und ohne die Grundlagen dahinter zu kennen. Nach und nach erschloss ich mir zwar über einen Semesterkurs und mehrere MOOCs Teilbereiche der Informatik: dynamische Webseiten, Datenbanken, Suchmaschinen, Blogs. Trotzdem blieb immer ein Gefühl des Schwimmens im Abstrakten – die Aufgaben waren für mich wie das Lösen von Kreuzworträtseln, danach ging es irgendwie nicht weiter, mir fehlte immer noch der Sinn dafür, wie man Ideen oder Probleme in Software umsetzen beziehungsweise sie damit lösen kann. Diesen Sinn für digitale Lösungen bekam ich erst durch die Teilnahme am CS50-MOOC 2014.

Durch CS50 lernte ich, Aufgabenstellungen in die "Denkweise" eines Computers zu übersetzen und darauf basierend Programme zu schreiben. Zu den im Kurs gestellten Aufgaben gehörten Programmierarbeiten im Bereich Spieleentwicklung und Computerforensik, interaktive Webseiten zu erstellen und vieles mehr. Das Abschlussprojekt bestand in der Aufgabe, selbst ein „Problem“ zu identifizieren und eine Lösung dafür zu programmieren – sei es für ein Smartphone oder einen Rechner, sei es für die Administration, für Vorgänge in den Programmtiefen oder an der (Endnutzer-) Benutzeroberfläche. Ich programmierte eine kleine Webanwendung für Hobbygärtner "Mein Pflanzenarchiv", die Hobbygärtnern das Erinnern an ihre Sorten, Pflanzungen und Erfahrungen erleichtern soll.

Es hatte geheißen, der Kurs sei für Anfänger und Fortgeschrittene geeignet, wobei empfohlen wurde, sich nicht an anderen Teilnehmern zu messen, sondern nur die eigene Entwicklung zu bewerten. Die gestellten Aufgaben zu lösen, war ab der dritten Lerneinheit nicht gerade einfach und teilweise ziemlich zeitaufwendig - auch für mich, obwohl ich einige Kenntnisse mitbrachte. Aber andererseits waren wir alle erstaunt, wie viel wir schon nach kurzer Zeit selbstständig fertigbrachten. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass dieser CS50-Kurs/CS50x-MOOC die Themen spielerisch und anschaulich aufrollt und jedes Thema auf mehrere Arten erklärt wird. Nicht umsonst gehört David J. Malan, der Dozent, inzwischen zu den Rockstars unter den Informatik-Dozenten.

825 reguläre Studierende plus 366.231 MOOC-TeilnehmerInnen* zu betreuen, erfordert einiges an Organisation und Infrastruktur (und den Einsatz von neuen digitalen Medien), wenn man möglichst vielen Menschen Spaß an der Sache und außerordentliche Lernerfolge vermitteln will. Deshalb besteht das CS50/CS50x-Team inzwischen aus 100 Personen*. Die bekanntesten sind neben David Malan die Teaching Fellows (TF, mitwirkende Studierende älterer Semester) Rob Bowdon, Zamyla Chan, Jason Hirschhorn und andere, die viele der Erklärvideos erstellt haben, und auch sonst den Studierenden Hilfestellung leisten.

 CS50 bzw. CS50x wird auch 2015 wieder angeboten. Man kann:
  • völlig losgelöst die Online-Inhalte nutzen (OpenCourseWare) - kostenlos, 
  • mit formloser Bescheinigung bei erfolgreicher Bewältigung von Aufgaben und Abschlussprojekt (edX Honor Code Certificate) abschließen – kostenlos (mein Zertifikat siehe Abbildung oben), 
  • mit offizieller Bescheinigung bei erfolgreicher Bewältigung von Aufgaben und Abschlussprojekt (edX Verified Certificate) abschließen – 90 US$ Gebühr, 
  • mit offizieller Bescheinigung bei erfolgreicher Bewältigung von Aufgaben und Abschlussprojekt (Harvard University CS50 Certificate) beenden – 1000 US$ Gebühr, 
  • mit akademischen Leistungspunkten (Course Credits) bei erfolgreicher Bewältigung von Aufgaben, Prüfungen und Abschlussprojekt (Harvard University Course Credits) abschließen – 2.200 US$ Gebühr. 
Die teuerste Variante ist der offizielle Semesterkurs (Registrierung war bis 2. Februar 2015 möglich), an dem man „on campus“ oder online teilnehmen kann. Der hohe Preis erklärt sich durch die intensive Betreuung, Zusatzleistungen und sonstigen Mehraufwand. Alle Einzelheiten zu den verschiedenen CS50-Teilnahmemöglichkeiten hier.

Ich kann CS50 jedem, der sich mehr als nur theoretisches Wissen über Informatik aneignen möchte, empfehlen. Der Kurs ist alles andere als trocken, beinahe sogar süchtig machend. Man entwickelt ein besseres Verständnis für die digitale Welt, in der wir leben. Das ist nicht nur für die, die in die Softwareentwicklung gehen wollen, hilfreich, sondern auch für Journalisten, Wissenschaftler, eigentlich für alle neugierigen Menschen. Viele - so auch ich – hoffen sogar auf eine Fortsetzung von CS50. Wir wollen noch mehr wissen und in einem Rahmen, wie CS50 ihn bietet, macht das Lernen viel mehr Spaß und die Erfolge sind viel schneller da, als wenn man sich alleine durch Informationsangebote im Internet oder anderswo kämpfen muss.

* Die Zahlen stammen von David J. Malan im CS50 Reddit AMA (AMA steht für Ask Me Anything)

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Donnerstag, 4. Juli 2013

MOOCs - eine Erfolgsgeschichte

Im November 2011 berichtete ich "live" vom ersten Massive Open Online Course (MOOC), an dem ich teilnahm. Mein Online-Kurs "Introduction to Databases" war eines der drei Pilotprojekte der Stanford University. Und ich schrieb: Die Stanford University hat eine Bildungsoffensive gestartet. Dabei hatten sich damals erst 70.000 Teilnehmer angemeldet, später wurden es im Parallelkurs "Artificial Intelligence" 160.000!

Den Begriff MOOCs kannten die meisten von uns Teilnehmern damals nicht. In unserer Wahrnehmung waren das weltweit offene, kostenlose Online-Kurse einer Elite-Universität und die meisten von uns waren unheimlich dankbar, daran teilnehmen zu können. Sie boten eine spannende, neue Art des Lernens und die Möglichkeit, Dozenten und Lerninhalte einer weltweit bekannten Elite-Universität gleich neben Silicon Valley kennenzulernen. Für manche Teilnehmer aus abgelegenen Teilen der Welt war es die einzige Möglichkeit überhaupt, an hochwertige Bildung heranzukommen.

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Mit dem Experiment hat die Stanford University eine Lawine ins Rollen gebracht: Aus den Pilotprojekten heraus wurden zwei Start-ups ins Leben gerufen: Coursera und Udacity, zwei kommerzielle MOOCs-Lernplattformen, die für ihren Start Geldgeber gefunden hatten und sich im Weiteren über Fachkräftevermittlung finanzieren wollen. Bei Coursera bieten inzwischen 70 Universitäten aus aller Welt und andere Bildungseinrichtungen MOOCs zu vielen verschiedenen Themen an. Bei Udacity konzentriert man sich derzeit auf Naturwissenschaften und IT-Themen.

Eine weitere MOOCs-Plattform wurde von der Harvard University und dem dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) ins Leben gerufen: edX. Dieser nicht-kommerziellen MOOCs-Plattform haben sich bisher 26 weitere Universitäten und Bildungseinrichtungen angeschlossen.

Auch die Stanford University selbst bietet weiterhin ihre MOOCs über Coursera und andere MOOCs-Plattformen an. Außerdem arbeitet Stanford mit edX an der Entwicklung einer Open-Source-Online-Lernplattform zusammen.

MOOCs-Plattformen gibt es inzwischen nicht nur in den USA, sondern auch in Australien (Open2study), Deutschland (z. B. Iversity, openHPI und OpenCourseWorld) und in anderen Ländern.

Das Erfolgsgeheimnis der MOOCs

Zeit- und ortsunabhängiges Lernen gab es schon vor den MOOCs - das nannte sich z. B. webbasiertes Lernen. Oft stinklangweilig. Und für das Online-Lernen aufbereitete Kurse amerikanischer Elite-Universitäten lagen auch schon vorher öffentlich zugänglich auf deren Servern im Internet - auch da schon kostenlos. Auch nicht sooo reizvoll. Ich glaube, das Erfolgsgeheimnis der MOOCs liegt einerseits in dem großen Engagement der Dozenten und ihrer Assistenten (Mitarbeiter oder Studenten höherer Semester), die Bildungsschranken niederreißen, erstklassige Inhalte und tolle Technik Bildungshungrigen weltweit bieten wollen. Aber es liegt auch daran, dass man als Gruppe zusammen Etappe für Etappe, Hausaufgabe für Hausaufgabe, Prüfung für Prüfung bewältigt. Weiß man nicht weiter, geht man ins MOOC-Forum. Dort unterstützt man sich gegenseitig, freut sich oder leidet zusammen, und auch die Dozenten und deren Assistenten geben dort Tipps, in welche Richtung man denken sollte, um eine bestimmte Aufgabe zu lösen.

Zwar ist beim MOOC grundsätzlich alles freiwillig und völlig flexibel, niemand ist gezwungen Hausaufgaben zu machen oder den ganzen Kurs zu absolvieren - tatsächlich wollen manche Teilnehmer nur ein bestimmtes Thema auffrischen oder etwas Spezielles dazulernen. Aber am meisten Spaß machen MOOCs, wenn man sich richtig auf sie einlässt. Die Vorlesungen schaut zwar jeder für sich alleine an und auch die Hausaufgaben macht man erst einmal alleine, aber zum Austauschen, Jammern und Feiern geht man ins Forum - so fühlt sich niemand isoliert, sondern als Teil einer großen Gemeinschaft.

MOOCs sind sowohl für Leute geeignet, die gerne in der Masse untergehen, als auch für solche, die sich vernetzen und mit anderen in engem Kontakt sein möchten. Und wer sich profilieren möchte, der kann das durch Können und besondere Hilfsbereitschaft in den Foren. Es liegt an jedem selbst, was man aus dem MOOC macht. Für die Anmeldung reichen schon Internetzugang und E-Mail-Adresse.

Das Erfolgsgeheimnis der MOOCs ist aber letztendlich die Dankbarkeit der Teilnehmer, die das Wort in die Welt tragen. Und die ist oft grenzenlos - wie der Zugang zu den oft exzellenten Kurse.

Pilotprojekt: Online-Master über eine MOOCs-Plattform

Bisher dauerten die MOOCs maximal ein Semester lang und sie waren kostenlos. 2014 startet das Georgia Institute of Technology in Zusammenarbeit mit Udacity und AT&T einen zweijährigen Online-Master-Studiengang, den Online Master of Science in Computer Science (OMS CS). Mit einem Preis von unter 7.000 US-Dollar kostet er nur einen Bruchteil dessen, was die On-Campus-Version des Kurses kostet (ca. 40.000 US-Dollar).

Weiterführende Informationen zu MOOCs:


Montag, 16. Januar 2012

Harvard Universität erweckt Bibliotheken zum Leben - ShelfLife, Stack View und LibraryCloud machen es möglich

shelflife-vgwort An der Harvard Universität in Cambridge/Massachusetts (USA) wurde eine Software entwickelt, die das Bibliothekenwissen besser nutzbar macht und Bibliotheken, Werke, Autoren und Bibliotheksnutzer miteinander zu einem lebendigen Netzwerk verknüpft, in welchem all diese Bestandteile miteinander interagieren. Recherchen werden einfacher und effektiver, es gibt praktische Möglichkeiten, sich auf dem Laufenden zu halten, mit anderen zu kommunizieren oder sich von Bibliotheksmitarbeitern beraten zu lassen. Der Prototyp ist die Digital Public Library of America (DPLA). 

Wie könnte eine zeitgemäße Bibliothek aussehen könnte, wenn man die Möglichkeiten der Digitalisierung ausschöpft, fragten sich die Beteiligten eines Forschungsprojektes des Harvard Library Innovation Laboratory an der Harvard Law School und schufen etwas Großartiges: die Digital Public Library of America (DPLA) bzw. deren Alphaversion (übrigens jetzt schon mit 1,7 Mio. deutschsprachigen Objekten).

Das Besondere an der DPLA ist, dass nicht nur die üblichen bibliographischen Daten verwaltet und genutzt werden, sondern auch das Bibliothekswissen wie beispielsweise die Ausleihhäufigkeit sowie Informationen aus den in das System integrierten "Social-Media-Funktionen".

Bücher/Objekte in den Kontexten "Bibliothek" und "Mensch als soziales Wesen"

15 Millionen Objekte (Bücher, Veröffentlichungsreihen, Tonaufnahmen und Videos/Filme) sind aktuell im Bestand der DPLA. Sie gehören zu den verschiedenen Bibliotheken der Harvard Universität sowie verschiedenen anderen Bibliotheken wie beispielsweise der San Francisco Public Library oder stammen aus Open-Courseware-Beständen.

Sucht man nach einem Titel, erhält man die Suchergebnisse nicht nur als Tabelle angezeigt, sondern - sobald man auf ein Objekt klickt - als Bücherstapel (Stack View). Anhand der Dicke der Buchdarstellung im Stapel kann man den Umfang des Werkes abschätzen und je intensiver blau ein Buch gefärbt ist, desto interessanter scheint es aufgrund seines "ShelfRanks" zu sein. Der ShelfRank wird aus den Metadaten wie Ausleihhäufigkeit, Beständen in den einzelnen Bibliotheken, Rezensionen, Bewertungen (Like, Follow, Aufnahme in persönliche Sammlungen) errechnet.



Klickt man auf ein Buch in der Suchergebnistabelle oder im Stapel, erhält man links neben dem Stapel die Informationen zum gewählten Objekt: bibliographische Daten, in welchen Abteilungen (Library Shelves) das Buch geführt wird, Empfehlungen ("People who viewed this also viewed ...", "You recently viewed these ...", "People who read this also recommend ..."), kann liken, folgen, rezensieren, taggen und das Objekt zu eigenen Bücherregalen hinzufügen. Objekte, die digital vorhanden sind, soll man in Zukunft auch gleich online anschauen können. Rechts neben dem Bücherstapel gibt es für jedes Buch ein Gesprächsblase-Symbol - klickt man darauf, kann man eine Diskussion zum Objekt anstoßen oder sich an einer vorhandenen beteiligen.

Man kann nicht nur Büchern und anderen Werken folgen oder sie liken, sondern auch Autoren und Bibliotheken. Man kann sich über Trends informieren, seine eigenen Sammlungen verwalten oder einen Bibliotheksmitarbeiter um Rat fragen.

ShelfLife, Stack View und LibraryCloud machen es möglich 

ShelfLife ist das Front End der DPLA, mit dem die Nutzer arbeiten. Die Nutzeroberfläche kann ähnlich wie iGoogle personalisiert werden. Stack View ist der Browser, der u. a. die Bedeutung der gefundenen Sucherergebnisse visualisiert. Die Daten selbst (z. B. Informationen zur Ausleihhäufigkeit, Rezensionen, Bewertungen, soziale Interaktion etc.) befinden sich in der LibraryCloud, einem Metadaten-Server mit offenen Programmierschnittstellen bzw. mit Zugang über Linked Open Data. Die DPLA Plattform soll für Entwickler offen sein, so dass sie Anwendungen schreiben können, die die Metadaten der DPLA nutzen.

Quelle
The Harvard Library Innovation Laboratory (Informationen und Demo)

Samstag, 8. Oktober 2011

Online-Vorlesungen der Elite-Universitäten für jeden!

online-vorlesungen-vgwort
Kommunikation zwischen Menschen findet nicht nur von Angesicht zu Angesicht, sondern auch über Medien statt. Auch Lehren und Lernen sind Kommunikation und schon lange nicht mehr auf Präsenzunterricht beschränkt. Alternativen zum Vortrag im Hörsaal, Seminarraum oder Klassenzimmer sind schriftliche Unterrichtsmaterialien, computerbasiertes Lernmaterial und vieles mehr, was schon seit langem von Fernhochschulen und Fernstudienanbietern/Fernlehrinstituten genutzt wird. Dank Internet sind noch viele Möglichkeiten hinzugekommen, beispielsweise im Internet abrufbare Lern-Videos, Video-Streaming aus Hörsälen über das Internet, Seminare mit Hilfe von Online-Konferenz-Plattformen, Online-Quizzes/-Prüfungen etc.
Zunehmend bieten nicht nur Fernuniversitäten/Fernstudien-Anbieter, sondern auch reguläre Hochschulen Fernstudienmöglichkeiten an - von einzelnen Kursen bis kompletten Studiengängen - so auch manche der bekannten Elite-Universitäten.

Online-Vorlesungen in Harvard


Für mich war es viele Jahre ein Traum, erstens in Harvard (Cambridge/Massachusetts (USA)) und zweitens Informatik zu studieren. Dank Internet konnte ich mir diesen Traum 2009 im Kleinen erfüllen: Ich meldete mich zu dem Computer-Science-Kurs "Building Scalable Dynamic Websites" an, den die Harvard University Extension School nicht nur als Präsenzkurs, sondern gleichzeitig als Internet-Fernkurs anbot. Der Kurs war zwar mit 1.430 Euro teuer, aber er war meiner Meinung nach sein Geld wert: Sowohl die Online-Vorlesungen (die über Video-Streams übertragen wurden), als auch die Seminareinheiten (über eine Online-Konferenzplattform) sowie die gesamte Betreuung durch den Professor, mehreren Seminar-Dozenten und einigen Assistenten per E-Mail, Foren und Chat-Funktionen waren ausgezeichnet und ich habe sehr viel gelernt (Erfahrungsbericht Fernkurs Harvard). Am Ende hatte jeder Teilnehmer vier verschiedene Projekte programmiert - wobei man das letzte selbst vorschlagen und dann nach Freigabe durch Professor und Dozenten verwirklichen durfte (und jeder hat sich etwas ausgedacht, das die Kursinhalte nutzte und hinterher tatsächlich einsetzbar war).
An dem Kurs teilnehmen konnte jeder, der sich rechtzeitig angemeldet und per Kreditkarte bezahlt hat. Empfehlen würde ich es nur jemandem, der einigermaßen gut Englisch spricht und gewillt ist, sich durchzubeißen, denn die Anforderungen sind hoch und die Projekte, die man statt Prüfungen erstellen musste, waren - zumindest für mich, die kaum Programmiererfahrung hatte - sehr schwierig.

Online-Vorlesungen in Stanford


Seit ich den Kurs in Harvard gemacht hatte, liebäugelte ich mit weiterer Online-Fortbildung - entweder in Sachen Schreiben oder in Sachen Programmieren, denn beides kann ich für meine Veröffentlichungen und Online-Publikationen (tinto) nutzen. Aber das liebe Geld und das ewige Zeitproblem standen dem im Weg - bis ich von einem kostenlosen Datenbank-Kurs der Stanford University (genauer: der Stanford Engineering School mit ihrem Weiterbildungsangebot (extended education)) im Rahmen ihres Open-Classroom-Projektes erfuhr, an dem tausende Teilnehmer weltweit teilnehmen können. Diese kostenlosen Open-Classroom-Kurse können zwar nicht für eine Graduierung genutzt werden, aber es würde sicher eine tolle Erfahrung sein, an einem weltweiten Experiment teilzunehmen. Die Stanford University gilt immerhin als einer der Wachstumsmotoren des Silicon Valley/Kalifornien (USA) und ihre Professoren sollen zu den besten der Welt gehören. Ich meldete mich an.

Mein Kurs Introduction to Databases hat offiziell Anfang Oktober 2011 angefangen, aber ich bin beeindruckt, wie professionell und pannenfrei alles abläuft - trotz der sehr vielen Teilnehmer (inzwischen ca. 80.000 mit weiter steigender Tendenz) aus allen Ländern der Welt. Wir lernen über Video-Vorträge und bereitgestellte oder empfohlene Unterrichtsmaterialien, machen Online-Multiple-Choice-Tests (Quizzes) und Übungen (Exercises), die benotet werden, und müssen in der Mitte und zum Schluss jeweils eine Prüfung (Examen) absolvieren. Zwar winkt am Ende kein akademischer Grad (non-credit course), sondern nur eine Teilnahmebestätigung durch die Professorin, wenn man bis zum Ende durchgehalten und alle Tests und Prüfungen erfolgreich bewältigt hat - aber man lernt sehr viel und kann sich mit Menschen aus aller Welt vernetzen. Da ich dank des Harvard-Kurses kein blutiger Anfänger mehr bin, sollte ich das Pensum auch mit ein paar Stunden pro Woche schaffen - und insgesamt dauert der Kurs nur 3 Monate. Toll finde ich, dass die Unterrichtsmaterialien und die ersten Tests schon sehr früh online gestellt wurden, so dass man vorarbeiten konnte, und dass man flexibel ist, wann man was macht - es gibt nur Etappen-Deadlines, bis wann man welche Tests und Übungen gemacht haben sollte und für die Examen werden kleinere Zeitfenster geöffnet. Der Kontakt zu den Mitstudenten, der Professorin und Ihrem Team erfolgt über FAQs (Frage-Antwort-Listen), Frage-Antwort-Forum, Newsletter und Youtube-Videos ("Screenside-Chat"). Die Studenten untereinander vernetzen sich darüber hinaus in Eigenregie über ein weiteres Forum und Google+.

Online-Vorlesungen ermöglichen individuelleres Lernen


Bei beiden Kursen empfand/empfinde ich es als sehr positiv, meine Zeit frei einteilen und das Lernen an meinen (Berufs-)Alltag anpassen zu können. Da die Informationen hauptsächlich über Video-Vorträge vermittelt werden (auch Live-Video-Streams von Vorträgen waren später im Video-Archiv verfügbar), ist das Lernen wesentlich angenehmer und konzentrierter als bei reinem Präsenzunterricht, da man ein Video jederzeit anhalten kann, um sich in Ruhe Notizen zu machen, einen Begriff nachzuschauen oder um den letzten Gedankengang noch einmal in Ruhe nachzuvollziehen.

Online-Vorlesungen aus Sicht der Universitäten


Aus Sicht der (Elite-)Universitäten sind Online-Vorlesungen auch eine Art der "Unternehmens-"Kommunikation - mit ihnen zeigen sie beispielsweise ihr Können, ihre Methoden und dass sie mit der Zeit gehen. Mit dem Anbieten von Online-Vorlesungen verbessern sie ihren Bekanntheitsgrad und ihre Reputation und sie können neue Zielgruppen ansprechen. Die Nutzung digitaler Medien macht vermutlich auch Auswertungen des Lernverhaltens und dadurch wiederum weitere Verbesserungen bei der Wissensvermittlung möglich. Über Newsletter und/oder entsprechende Online-Angebote (Kommunikationsplattformen, Social Media) kann der Kontakt zu Absolventen und zwischen Absolventen auch nach Abschluss der Kurse bzw. eines Studiums aufrechterhalten werden.

Online-Vorlesungen - auch eine Möglichkeit für deutsche Hochschulen und Unternehmen?


Fachkräfte sind umkämpft und angesichts des Fachkräftemangels könnten Online-Vorlesungen bzw. Online-Fortbildungen, die von deutschen Hochschulen und/oder Unternehmen angeboten werden, möglicherweise ein Weg zur Kontaktherstellung, Ausbildung und Rekrutierung von möglichen Fachkräften sein. Allerdings setzt das Anbieten von Online-Vorlesungen und -Prüfungen die nötige Infrastruktur in höchster Qualität voraus - sowohl technisch, als auch personell - um die oben erwähnten Kommunikationsziele zu erreichen. Plattformen wie Lecturio bieten Unternehmen, Experten etc. Möglichkeiten zur Aufzeichnung und Bereitstellung von Lernmaterial - sie können zumindest eine (Überbrückungs-)Hilfe sein. Deutsche Hochschulen und Unternehmen müssen aufpassen, dass sie bei diesem Trend nicht den Anschluss verpassen.

Nachtrag:
Aus der Initiative der Stanford University entstanden 2012 zwei Start-ups: Coursera und Udacity - zwei MOOCs-Plattformen. MOOC steht für Massive Open Online Course.
Hier gibt es weitere Erfahrungen und Informationen: