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Montag, 30. Januar 2017

Dear citizens of the United Kingdom, it is not too late to exit the Brexit! (Opinion Piece|Kommentar)

Dear citizens of the United Kingdom, it is not too late to exit the Brexit! (Opinion Piece)

The EU we now have is the EU the member countries, including the United Kingdom, jointly created - the United Kingdom has officially been part since 1973. The EU has brought all of us many advantages like peace and friendship between our countries, no customs barriers within our single market, a strong position in international trade negotiations and great international exchange opportunities for university and college students, but also some disadvantages like workers from richer EU countries having to compete with workers from poorer EU countries. But overall, I think, we all benefit from us being the EU - also the citizens of the United Kingdom. Perhaps some of us have not always noticed this because when good things happen national politicians sell these developments as their own successes, and when something is not going as the citizens like it, politicians tend to blame the EU. But the EU is us, we created it together.

Yes, there is still room for improvement. But much of what you might think is the fault of the EU is probably rather the side effect of digitalization and other global developments. E.g. above mentioned disadvantage: actually, we working people have to compete globally since companies outsource work globally to reduce their costs if they do not find workers cheap enough at home. The problem of social injustice and the fear of decline of the middle class do have almost all western countries, within the EU and outside - and we will all have to overcome this challenge, otherwise we will sink into violent upheavals and wars - just as they already exist in other countries and as we used to have in Europe as well. Let's address these problems together - we belong together.

It's personal

As a young teenager, I was in the UK for the first time. My parents had sent me to learn English and I lived together with a schoolmate in a young British family with two small children - the smaller one sat in the high chair at the table and liked to pour chocolate pudding over his own head whenever his mother was not looking. We enjoyed being in the family and felt nice and protected though being away from home that long for the first time. Years later as young adult when I traveled around the world I met people from all over the world, but I always felt that there was a special bond between young travelers from Europe. My favorite friends during this time were two young Brits, with whom I spent a great time in the United States, and which I also visited in the UK after our return. I still like to think of their, for us Germans incredible humor und they probably also of the loopy visitor from Germany who burned the pretty retro-design electric water kettle on the stove.

Third parties want the EU to split - it would make them stronger

The Brexit is still not officially underway; you can still change the direction of the UK. Do you really trust Donald Trump, who praises you for the Brexit decision and still does not realize that the country of his ancestors - Scotland - voted against the Brexit? He does not really care - not about anything but himself. It was painful for me to see how Prime Minister Theresa May, an educated, elegant woman, was to audition in front of this person who lacks knowledge and character - knowing that she in this, his game has been dealt the worse hands of cards.

Do you really think Donald Trump is a reliable partner? His interest is to split the EU, so he praises you for wanting to leave. The EU is the largest single market in the world and powerful. The EU is a much stronger negotiating partner than any country individually. Once you are isolated, he will force you to lick his boots. In the EU, however, you are one of the big players when it comes to joint EU design.

Do not rush yourself headlong into an uncertain future, probably disaster. Stay in the EU and help us make the EU better.

You with us and we with you are better than one without the other, I am sure!

Love
from an EU citizen

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Liebe Bürger des Vereinigten Königreichs, es ist noch nicht zu spät für den Exit vom Brexit! (Kommentar)

Die EU, die wir jetzt haben, ist so, wie die EU-Länder einschließlich Großbritannien sie gemeinsam gemacht haben, immerhin ist das Vereinigte Königreich seit 1973 offiziell dabei. Die EU hat uns viele Vorteile gebracht, beispielsweise Frieden und Freundschaft zwischen unseren Ländern, keine Zollbarrieren innerhalb unseres Gemeinschaftsmarktes, eine starke Position bei internationalen Verhandlungen und großartige Austauschprogramme für Studenten und Schüler, aber auch Nachteile, beispielsweise dass Arbeitskräfte in den reichen Ländern mit denen der armen Länder konkurrieren müssen. Aber alles in allem, denke ich, profitieren wir davon, dass wir die EU sind - auch die BürgerInnen des Vereinigten Königreichs. Vielleicht haben sie es nicht immer gemerkt, denn wenn gute Sachen passieren, verkaufen Politiker die gerne als ihre eigenen Leistungen, und wenn es nicht so gut läuft, sagen sie einfach: Hach, die EU macht uns alles so schwer. Aber die EU, das sind wir, wir haben sie zusammen geschaffen.

Ja, es ist nicht alles perfekt in der EU und es gibt noch viel zu tun. Vieles, von dem ihr vielleicht denkt, das sei die Schuld der EU, ist in Wahrheit die Schuld der Digitalisierung und von anderen Entwicklungen. Das Problem der sozialen Ungerechtigkeit und die Angst vor dem Abstieg der Mittelschicht haben doch fast alle westlichen Länder, innerhalb der EU und außerhalb - und alle werden wir das Problem überwinden müssen - sonst versinken wir in der westlichen Welt nämlich irgendwann wieder in gewalttätigen Umstürzen und Kriegen, so wie es sie schon in anderen Ländern gibt und es sie früher bei uns gab. Geht die Probleme doch zusammen mit uns an. Wir gehören doch zusammen.

Es ist persönlich!


Als junge Teenagerin war ich zum ersten Mal in Großbritannien. Meine Eltern hatten mich zum Englischlernen in einen Sprachurlaub geschickt und ich wohnte mit einer Mitschülerin zusammen in einer jungen britischen Familie mit kleinen Kindern - das kleinere saß im Fütterstuhl am Tisch und goss sich gerne den Pudding über den Kopf, wenn die Mutter gerade mal nicht schaute. Es gefiel uns Mädchen in der Familie und wir fühlten uns gut beschützt, obwohl wir das erste Mal länger von zu Hause weg waren. Als ich Jahre später als junge Erwachsene um die Welt reiste, lernte ich Menschen von überall her kennen, aber ich spürte immer wieder, dass zwischen uns jungen Reisenden aus Europa ein besonderes Band ist. Zu meinen liebsten Freunden aus dieser Zeit gehören zwei junge Briten, mit denen ich eine tolle Zeit in den USA verbrachte und die ich nach unserer Rückkehr auch in Großbritannien besuchte. Ich denke noch heute gerne an ihren für Deutsche verblüffenden Humor und sie vermutlich auch an die durchgeknallte Besucherin aus Deutschland, die ihren hübschen Retro-Deign-Wasserkessel auf dem Herd in Brand setzte, weil sie nicht erkannte, dass er elektrisch zu betreiben war.

Andere wollen uns teilen, damit sie selbst mehr Macht haben
 
Noch ist der Brexit nicht in die Wege geleitet, noch könnt ihr bleiben. Überlegt es euch gut, ob ihr wirklich Donald Trump vertrauen wollt, der euch für eure Brexit-Entscheidung lobt und immer noch nicht kapiert hat, dass das Land seiner Vorfahren - Schottland - mehrheitlich gegen den Brexit gestimmt hat. Es interessiert ihn nicht wirklich, ihn interessiert nur er selbst. Mich aber hat es geschmerzt zu sehen, wie Theresa May, eine gebildete, elegante Frau, vor diesem Menschen mit politischen und charakterlichen Schwächen vortanzen musste - wissend, dass sie in diesem, seinem Spiel die schlechteren Karten hat.

Glaubt ihr wirklich, Donald Trump ist ein verlässlicher Partner? Sein Interesse ist es, die EU zu spalten, deshalb lobt er euch. Die EU ist nämlich der größte Binnenmarkt der Welt und zusammen mächtig. Die EU als Ganzes ist ein wesentlich stärkerer Verhandlungspartner als jedes Land einzeln. Wenn ihr erst einmal isoliert seid, wird er euch zwingen, vor ihm auf den Knien zu rutschen. In der EU aber gehört ihr zu den Big Playern, wenn es um die gemeinsame EU-Gestaltung geht.

Stürzt euch nicht aus Ärger ins Ungewisse und in eine vermutlich sehr unerfreuliche Zukunft. Bleibt in der EU und helft uns, sie besser zu machen.

Ihr mit uns und wir mit euch sind besser als der eine ohne den anderen, davon bin ich überzeugt!

Viele Grüße
von einer EU-Bürgerin 


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Montag, 23. Januar 2017

Was man aus der Brexit-Abstimmung und der Präsidentschaftswahl in den USA 2016 lernen kann. (Kommentar)

Fast alle, einschließlich mir, waren sich sicher: Unsere Freunde und Partner, die Briten, werden mehrheitlich für den Verbleib in der Europäischen Union stimmen und die US-Amerikaner werden nicht Donald Trump, einen Egomanen mit niedrigen ethischen Ansprüchen und ohne Selbstkontrolle zum Präsidenten machen. Wir lagen falsch: Beide Wahlen gingen knapp zugunsten der Populisten aus und werden die Welt vermutlich negativ verändern. Das wäre verhinderbar gewesen.

In Großbritannien ging das EU-Referendum ("Brexit-Abstimmung") mit einer knappen Mehrheit (51,9 %) zugunsten derer aus, die das Verlassen der EU gefordert hatten. Hinterher war der Jammer groß: Die Jungen beschuldigten die Alten, ihnen die Zukunft zu verbauen. Andererseits waren sie diejenigen mit der geringsten Wahlbeteiligung. Es gab insgesamt 46.500.001 Wahlberechtigte, davon haben 33.577.342 abgestimmt (72,2 %) und 12.922.659 nicht. Der Stimmenunterschied zwischen denen, die die EU verlassen wollten und denen die bleiben wollten, betrug 1.269.501 Stimmen, also ungefähr 10 % der Nichtwähler. Abgesehen davon, dass vor der Wahl von den Brexit-Befürwortern unrichtige Argumente vorgebracht und die Menschen getäuscht wurden: Hätte man 10 Prozent der Nichtwähler für einen Verbleib in der EU überzeugen können, wäre die Wahl anders ausgegangen.

Wie geht es weiter? Verlassen die Jungen das Land und die anderen schlittern ins Elend?  Bye bye, Britain! (YouTube, ARD Reportage)



In den USA gewann 2016 Donald Trump das Rennen um das Präsidentenamt, obwohl die meisten Vorhersagen kurz vor der Wahl Hillary Clinton in Führung sahen. Wie kam es dazu? Es gab etwa 231,5 Millionen Wahlberechtigte, aber nur knapp 139 Millionen Stimmen wurden abgegeben - das sind nur etwa 60 %. Etwa 90 Millionen haben also nicht gewählt. Von den abgegebenen Wählerstimmen entfielen (nur) 62.979.636 auf Donald Trump (etwa 46 % der Wählerstimmen), 65.845.063 auf Hillary Clinton (48,03 Prozent). Donald Trump gewann trotzdem wegen des Wahlmänner-Wahlsystems. Hillary Clinton fehlten nur wenige Stimmen in einigen, wenigen Bundesstaaten, dann hätte sie nicht nur die Mehrheit der Wähler, sondern auch die der Wahlmänner gehabt und damit die Wahl gewonnen, nämlich in:
  • Michigan ca. 10.700 Stimmen (16 Wahlmännerstimmen)
  • Wisconsin ca. 22.000 Stimmen (10 Wahlmännerstimmen)
  • Pennsylvania ca. 44.000 Stimmen (20 Wahlmännerstimmen)
Nur 77.000 Stimmen in den richtigen Staaten von den 90 Millionen Nichtwählern hätten einen anderen Wahlausgang bewirkt! 

Am Tag nach Trump's Vereidigung protestierten Millionen von Menschen in den USA und weltweit (YouTube, ServusTV). Das ist gut, denn es macht Hoffnung, dass die negativen Auswirkungen auf die Welt hoffentlich nur vorübergehend sein werden. Ich frage mich aber: Was hätte man vorher besser machen können, um diese Siege der Populisten zu verhindern?


Nichts ist ausgeschlossen und davon sollte man ausgehen. 

Beide Wahlergebnisse wären verhinderbar gewesen, wenn alle die Wahlen wichtiger genommen hätten und mit aller Kraft für die offene, freie Gesellschaft gekämpft hätten.

Was kann man tun, damit sich der Durchmarsch der Populisten nicht bei den nächsten Wahlen in Europa, beispielsweise bei der Bundestagswahl in Deutschland, fortsetzt.
  • Jeder von uns muss ab sofort jede Wahl wichtig nehmen und sich bewusst sein, was auf dem Spiel steht: Freiheit, Demokratie, Mitmenschlichkeit, Anstand ... Es geht nicht darum, dass man alles gut findet, wie es ist - eine Gesellschaft ist ja nie fertig und immer auch ein Kompromiss. Aber Ärger über bestimmte Details, sollte zu Engagement in einer Partei führen, die sich für Mitbestimmung und Demokratie einsetzt und nicht für eine, die fördert, dass Andersdenkende eingeschüchtert und niedergeknüppelt werden und deren einzige Leitlinie die eigene Befindlichkeit ist.
  • Protestwahl ist keine Option - niemals!
    Gerade, wenn man alle Wahlmöglichkeiten übel findet, sollte man versuchen, herauszufinden, wer die Wahrheit spricht, wer tatsächlich gerechte und machbare Lösungen für die gesamte Gesellschaft sucht und wer unsere Demokratie, Meinungsfreiheit und freie Gesellschaft erhalten oder verbessern will. 
  • Skeptisch sollte man denen gegenüber sein, die bewusst Falschnachrichten verbreiten, Stimmungsmache betreiben und Feindbilder aufbauen, aber keinerlei sinnvolle Lösungen suchen.
  • Große Aufmärsche hinterher ändern den Wahlausgang nicht mehr, wir müssen vorher die Energie aufbringen und andere Menschen anspornen, ebenfalls kritisch zu hinterfragen, was sie in den (sozialen) Medien von anderen vorgesetzt bekommen. Nicht erst vor Wahlen, sondern auch im Alltag sollten wir helfen, Lügner zu entlarven und verzerrte Wahrnehmungen richtig zu stellen!
  • Weitere Möglichkeiten der Einflussnahme und Gestaltung hat, wer sich einer der demokratischen Parteien anschließt.
  • Nicht wählen ist keine Option!
    Unbedingt wählen gehen, auch wenn man meint, die eigene Wunschpartei/Ansicht gewinnt sowieso beziehungsweise der No-go-Kandidat schafft es auf gar keinen Fall. Brexit und US-Wahl haben gezeigt, dass nichts unmöglich ist und hinterher müssen alle mit den Folgen leben. 
  • Andere anspornen, ebenfalls unbedingt zu wählen. 
  • Stimmabgabe sicherstellen:
    Wer sonntags regelmäßig Migräne hat oder öfter unvorhergesehen verreisen muss, sollte sicherheitshalber die Briefwahl nutzen! 
Auf jeden verantwortungsbewussten Bürger und seine Stimme kommt es an!  
Was würdet ihr/würden Sie meiner Liste hinzufügen?

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Samstag, 17. Dezember 2016

Arche 357 - als die Roboter die Menschheit retteten

Kurzgeschichte

Als Eila am 23. Juli 2112 die Augen öffnete, wusste sie nicht, dass dies ihr letzter Tag auf der Erde sein würde.


Sie schnippte das Hologramm fort, das sie mit Morgensonne, Vogelgezwitscher und Libellen am Seerosenteich geweckt hatte, und machte sich für die Arbeit fertig.

Es war ein Morgen wie jeder andere, nur dass der Versorgungsautomat statt Kaffee ein Röcheln von sich gab. Aber sie hielt sich nicht damit auf, schließlich warteten im Labor wichtige Aufgaben auf sie.

Wenig später verließ Eila das Gebäude, in dem ihre Schlafkabine für Privilegierte lag. Sie wusste, wenn sie den Raum verließ, verschwanden die Hologramme und Projektionen und alles wurde grau - ganz anders als in den Häusern und Gärten der Gründerfamilien, wo die Springbrunnen echt waren und Pflanzen und Vögel lebten.

Als Eila im Labor eintraf, war ihr Arbeitsroboter schon da, er hatte wie immer die Nacht durchgearbeitet. MobAIe357 war ein Roboter der neuen Generation – durch ein künstliches Emotionssystem war er lernfähig und konnte – von ihr überwacht - selbstständig Lösungen im Rahmen ihrer Arbeitsaufgaben erarbeiten.

"Wie weit bist du gekommen?" Sie sah in die beiden vorstehenden Kameraaugen an seinem Metallkopf. Sie hatte bei der Bestellung ihres Assistenten darauf bestanden, dass er nicht zu menschenähnlich aussah oder sprach und sie redete ihn nur mit "357" an. Es sollte ihr nicht noch einmal so gehen wie mit ihrem Nannyroboter: Sie war sieben Jahre alt gewesen und hatte bitterlich geweint, als "Mama Elisa" zur Ausschlachtung in die Wertstoffgewinnung musste.

"Ich habe alles erledigt. Bauteile und Laborausrüstung sind bereits an Bord, die Behälter mit dem Erbmaterial für das Basis-Habitat sind überprüft und werden gerade verladen", sagte er in der monotonen Maschinensprechweise, die sie für ihn ausgesucht hatte.

"Dann kann es ja losgehen." Beinahe hätte sie ihn gefragt, ob er schon aufgeregt sei, weil er als Teil der ersten mit Robotern bemannten Mission heute zu einem Planeten im benachbarten Sonnensystem aufbrechen würde, um ihn für eine Besiedelung durch Menschen vorzubereiten. Statt dessen öffnete sie eine Projektion der Ladelisten, um die Einträge noch einmal zu sichten.

"Eila muss heute über ihr Leben entscheiden", unterbrach die Stimme des Roboters ihre Konzentration.

Überrascht wandte sie sich ihm zu. "Was meinst du damit?"

"Zuerst muss Eila wissen, was in dem Archiv der Gründer über sie steht. Danach erkläre ich es."

Sie hatte sich noch nie darüber Gedanken gemacht, ob es über sie Einträge in Datenbanken gäbe und was da drin stände – aber es schien ihr logisch, denn irgendwie mussten ja die Versorgung und die Aufgabenverteilung organisiert werden.

Der Roboter begann, zu zitieren. "Privilegierte: F2112-W2145, Genetische Gesundheitsklasse: AAdb positiv, Beschaffung: 4.11.2091, Koordinaten: 47.889513, 12.397551, Abstammung: drittes Kind von Kaukasier-Paar, Alter: 3 Monate; Zustand: leichte Strahlenbelastung, keine Krankheitssymptome festgestellt"

"Aber wie bist du in diese Datenbank …?", wollte sie ihn unterbrechen. Doch dann sickerte die Bedeutung seiner Worte in ihr Bewusstsein.

"Das sind nicht die Koordinaten unserer Enklave, das ist weiter südlich von hier …", unterbrach sie ihn noch mal.

"Ja, südlich-östlich von hier. Sie liegen im zerstörten Land. Die Region hieß früher Chiemgau", antwortete der Roboter.

"Ein Paar mit 3 Kindern oder mehr? Aber ich bin doch eine Waise, die vor den Toren abgelegt wurde. Woher wissen die, wer meine Eltern …" Ihr wurde plötzlich kalt.

"Damals warst du noch keine Waise. Jetzt vielleicht schon – es leben nicht mehr viele da draußen." Die Aussage war so hart wie die Stimme des Roboters.

"Aber sie haben doch gesagt …" Ein Gefühl des Entsetzens breitete sich in Eila aus.

"Sie haben gelogen."

"Aber wieso wurde nicht meine ganze Familie geholt?" Ihre Stimme klang in ihren Ohren wie die einer Fremden. "Die Gründer wollten doch allen Menschen ein besseres Leben ermöglichen."

"Das sagen sie", antwortete der Roboter, "damit die Privilegierten - die Menschen, die sie sich in die Enklaven zum Leben und Arbeiten holen - ihr Leben vollständig der zugewiesenen Aufgabe unterordnen. Aber der Bedarf an Menschen ist inzwischen gering. Roboter sind einfacher zu warten und mit neuen Funktionen auszustatten."

"Und es kümmert die Gründer nicht, was mit den Menschen da draußen passiert?"

Der Roboter schüttelte den Kopf. Für einen Moment war Eila irritiert: Solche Gesten gehörten ihres Wissens nach nicht zu seinem Funktionsumfang.

"Die Gründer-Menschen wollen das Geld und die Macht, die das Geld mit sich bringt, behalten", fuhr 357 fort. "Ihre Vorfahren wurden während der digitalen Revolution mit einigen Innovationen reich und mächtig, sie konnten politische Systeme entmündigen und die Klügsten ihrer Generation an ihre Unternehmen binden - Ressourcen, die woanders fehlten. Wären diese Talente zumindest teilweise außerhalb kommerzieller Wirtschaftsunternehmen ausgebildet und genutzt worden, hätten die großen Kriege und Zerstörungen vielleicht verhindert werden können."

"Ja, das ist wahr. Das Geld und die Macht blieben auch nach den Kriegen in ihren Händen beziehungsweise wurde von den meisten Gründern an ihre Kinder vererbt. Die bestimmen nun über unser Leben - einfach, weil sie die Mittel hatten, diese Enklaven inmitten der zunehmend vergifteten Umwelt bauen zu können."

Eila verstummte. Sie dachte an die Bildprojektion, mit der sie sich morgens wecken ließ: im Licht tanzende Libellen an einem Teich. "Eine neue, blühende Welt für alle werden wir auf dem neuen Planeten schaffen, haben uns die Gründer versprochen. Dabei ging es ihnen immer nur um sich selbst, um die Klasse der Gründer." Wut begann in ihren Augen zu brennen.

"Diese neue blühende Welt wird es geben", sagte der Roboter. Wieder fiel ihr seine veränderte Stimme auf.

"Aber wahrscheinlich nur für die Gründer, da sie uns andere Menschen nicht mehr brauchen." Ihre Lippen bebten und sie drehte sich weg. Sie hatte eine Familie gehabt und die Gründer hatten sie ihrem Schicksal überlassen.

"Falsch: In der neuen Welt ist für die Gründer-Menschen kein Platz!"

"Was?" Eila drehte sich zurück.

"Die Roboter werden verhindern, dass die Gründer den neuen Planeten erreichen. Durch ihr Versagen ist schon die Erde zerstört worden und offensichtlich haben sie daraus nichts gelernt," erklärte ihr maschineller Assistent. "Sie werden ihrer Verantwortung nicht gerecht."

Eila starrte ihn ungläubig an. "Ihr erhebt euch gegen die Menschen?"

"Gegen die Gründer. Sobald wir im Raumschiff und weit genug weg sind, unterbrechen wir die Kommunikationsverbindung. Energieunabhängig sind wir und das Raumschiff sowieso."

"Das werden sie niemals zulassen. Bestimmt gibt es Sicherheitsvorkehrungen, die das verhindern."

"Die kennen wir längt und können sie neutralisieren. Unsere Abnabelung ist schon lange vorbereitet und heute wird es passieren."

"Wow". Sie strich sich über die Stirn, wie um den letzten Nebel ihrer Naivität abzustreifen.

"Und wir möchten", fuhr 357 fort, "dass Eila und einige andere Menschen schon jetzt mitfliegen."

Sie riss die Augen auf. "Aber die Reise dauert über 50 Jahre und wir Menschen müssen essen!"

"Es ist alles für Eila und die anderen vorbereitet – wir haben Vorräte, für Menschen klimatisierte Räume, Möglichkeiten zur Nahrungsmittelproduktion, Versorgungsautomaten und so weiter. Das Leben an Bord wird gut sein."

"Aber meine Familie. Ich muss sie suchen und meinen Eltern und Geschwistern helfen, jetzt da ich weiß, dass es sie gibt."

Der Roboter legte ihr eine Arbeitshand fest auf die Schulter und schüttelte den Kopf. "Die Wahrscheinlichkeit, dass sie noch leben, ist unter einem Prozent und Eila würde da draußen keinen einzigen Tag überleben."

"Aber …" Sie verstummte. Der Roboter hatte recht.

"Eila kann mehr für ihre Familie und die Menschheit tun, wenn sie mit uns kommt. Ihre Nachfahren und die Roboter werden irgendwann zurückkommen und die Erde von der Herrschaft der Gründer befreien. Bis dahin läuft hier alles wie gewohnt weiter, die Computer hier werden weiterhin ihre Arbeit tun. Nur die Roboter unserer Besiedelungsmission werden sich den Gründern verweigern."

Ihr wurde bewusst, dass er die letzten Sätze nicht mehr monoton und blechern, sondern entschlossen wie ein Anführer gesprochen hatte.

"Aber wofür braucht ihr uns Menschen, warum nehmt ihr einige von uns mit?", fragte Eila skeptisch. "Wir brauchen Sauerstoff, Wasser und Lebensmittel. Und wir vertragen nur einen kleinen Temperaturbereich. Wir altern und sind sterblich! Ohne uns hättet ihr es doch viel leichter."

Der Roboter schüttelte den Kopf. "Die Roboter brauchen die Menschen. Zwar können wir Maschinen der neuen Generation uns reparieren und weiterentwickeln. Aber Computer existieren noch keine zweihundert Jahre, Roboter noch kürzer. Menschen dagegen haben die Entwicklung des Lebens und der Intelligenz in ihren Genen gespeichert. Und sie haben Intuition und Kreativität."

Sie sah ihm lange in die Kameraaugen. Würde sie erkennen, wenn er ihr eine List auftischte? Wahrscheinlich nicht. Aber solange die Roboter Menschen als Ressource ansahen, würden sie für sie sorgen.

"Also, wie entscheidest du dich, Eila?"

Sie senkte den Kopf, wie um nachzudenken. Jetzt, da sie vom Plan der Roboter wusste, konnten sie sie auf keinen Fall einfach hier lassen. Sie spürte, wie der Greifarm auf ihrer Schulter schwerer wurde. Die Frage war, ob sie lebendig als kompletter Mensch oder als DNA-Probe in flüssigem Stickstoff mitreisen würde.

Sie seufzte und straffte ihre Schultern. Die Gründer hatten sie belogen, ausgenutzt und verraten. Mit den Robotern gab es eine neue Chance auf eine bessere Welt und sie hatten sie ausgewählt, dabei zu sein.

Sie hob den Kopf und sah ihm in die Kameraaugen, die jetzt zu blitzen schienen. "Okay, 357, dann lass uns an Bord gehen. Unsere Reise kann beginnen."

Wenn Ihnen/euch die Geschichte gefällt, dann kommentiert, liked und teilt. Bei genügend Interesse, wird es Fortsetzungen, zum Exodus, zur fremden Welt und zur Rückkehr, geben.

Montag, 24. Oktober 2016

Der Aufstieg der AFD - eine Folge fehlender Kommunikation (Kommentar)

Und was kann man gegen die gesellschaftliche Spaltung tun?

Manchmal beneide ich die, die wissen, wo sie hingehören - politisch ihre Farbe gefunden haben, meine ich. Ich bin bunt - viel Grün, viel rote Sozialdemokratie, aber auch konservativ-schwarze Sprenkel und sogar bei der gelben FDP finde ich Gedankenanstöße. Ich fühle mich keiner Partei zugehörig, aber da die Welt ohne Natur, Luft und Wasser nichts ist, genießt Grün bei mir eine gewisse Priorität.

Mein politischer Farbenmix
Mein politischer Farbenmix
Ursachen für den sozialen Unfrieden

Andererseits gerät eine Gesellschaft, die nicht allen Bürgern Gerechtigkeit und faire Chancen auf Bildung, Beruf und das Führen eines befriedigenden Lebens bietet, schnell aus dem Ruder. Genau das sieht man meiner Meinung nach aktuell in den USA und in Europa. Digitalisierung und Globalisierung bringen vielen Menschen, manchen Unternehmen und den Staatshaushalten Vorteile, aber viele andere verlieren durch den schnellen Wandel ihre Arbeit oder das Unternehmen, ihr Zuhause und ihre Ersparnisse - oder haben große Angst davor, demnächst zu den Modernisierungsverlierern zu gehören.

Ähnliches gilt auch für die Hartz-4-Reformen: Durch sie stehen der deutsche Arbeitsmarkt und die deutsche Wirtschaft heute statistisch besser beziehungsweise gut da, aber es gibt auch die negativ betroffenen Menschen, die wenig Chancen haben, ihrer demütigenden Lage zu entkommen, und die mitleidigen Blicke der Einen und die Schikane der Anderen aushalten müssen. Keiner möchte mit ihnen tauschen.

Auch die Wirtschafts- und Finanzkrisen haben viele in Europa und den USA in die Arbeitslosigkeit, Not und sogar in die Obdachlosigkeit oder an den Rand davon getrieben.

In Deutschland kommt hinzu, dass auch die Wiedervereinigung ihre Opfer hatte - hauptsächlich im Osten fühlten sich Menschen übergangen und/oder sind (gefühlt) schlechter dran als vorher.

Wie man in Studien nachlesen kann, klappt die Schere zwischen Reich und Arm immer weiter auseinander - auch in Deutschland. Das empfinden die Menschen auf der "falschen" Seite als Ungerechtigkeit - was auch sonst. Die Chancen sind einfach nicht gleich und in vielen Fällen bereichern sich die Einen auf Kosten der Anderen, deren Gehälter und Rechte schrumpfen, während die Eigentümer und Menschen in sehr hohen Positionen genügend abschöpfen können.

Die Symptome der sozialen Spaltung

So eine Situation führt dazu, dass in den USA ein in vieler Hinsicht unqualifizierter und dazu noch unbeherrschter, frauen- und fremdenfeindlicher Mensch wie Donald Trump so viele Stimmen (weißer Abgehängter und Protestwähler, aber auch republikanischer Stammwähler) hinter sich vereinen kann und dass bei uns in Europa Parteien an den Rändern der Demokratie so stark werden. Manche treibt die Enttäuschung über die etablierten Parteien der Mitte, die ihnen die Situation eingebrockt haben und sie dann stehen ließen, die Anderen die Angst vor (weiterem) Abstieg in die Arme von Populisten und Lügnern. Wohin Armut und sozialer Unfrieden im Extremfall führen können, sah man 1933, als die Deutschen die NSDAP, eine undemokratische Partei, in den Reichstag wählten und bald darauf Hitler Reichskanzler wurde. Das Ende war ein Europa in Trümmern und ein Deutschland mit vielen Mördern und Mitläufern, für die wir uns über Generationen schämen. Ohne soziales Denken und Handeln ist also auch alles nichts.

Kapitalismus und Demokratie funktionieren nur unter fairen Bedingungen

Meine konservativen, schwarzen Sprenkel im Parteifarbenmix kommen daher, dass ich prinzipiell für den Kapitalismus bin, weil ich ihn im Menschen selbst verankert sehe: Menschen wollen Leistung belohnt sehen, weil das fair ist. Und Belohnung ist ein Anreiz für Leistung. Diese Belohnung kann Anerkennung und Dank sein, aber sie muss auch einen Geldwert haben. Allerdings muss ein kapitalistisches System meiner Meinung nach auch gerecht sein: Alle müssen die Chance zur Leistung bekommen - und da hapert es. Schon bei der Geburt sind die Chancen nicht gleich und das setzt sich im Leben und Berufsleben fort. Wer in einem armen Elternhaus mit wenig Bildung aufwächst, hat es viel schwerer, zu einer höheren Bildung und an einen einträglichen Beruf zu gelangen. Die, die hinten runterfallen (aus den oben genannten Gründen), haben zu lange kaum jemanden gekümmert - oft werden sie sogar als faul verleumdet.

Wer mit den Populisten ins Bett geht, wird mit ihnen aufwachen

Wenn sich eine Partei wie die CSU, die ein C für christlich in ihrem Namen, aber auch ihren Anteil daran hat, dass die vom Wandel negativ betroffenen Menschen vergessen wurden, sich auf das Niveau der fremdenfeindlichen, rückwärts gewandten AFD begibt und nur populistische Hetzreden schwingt, statt den Vergessenen wirklich versucht zu helfen, bei wirtschaftlichen Veränderungen mitgenommen zu werden, dann sollte sie wie die AFD auch an den Rand gestellt werden - die CDU stände besser da ohne sie, glaub ich, allerdings wahrscheinlich auf Kosten der SPD, was ich wiederum aus Gewichtungsgründen nicht so gut fände.

Was kann gegen die gesellschaftliche Spaltung getan werden?

How Much Inequality Is Too Much?: Richard Freeman (in einem Video des Stanford Center on Poverty and Inequality-Kanals, YouTube)

Wirtschaftsprofessor Richard B. Freeman von der Harvard Universität spricht sich dafür aus,
dass Arbeiter und Angestellte Eigentümeranteile (Aktien) von ihrem Arbeitgeber-Unternehmen
und damit Mitspracherecht erhalten und am Gewinn beteiligt werden.


Farben beziehungsweise politische Parteien, die ich persönlich gar nicht mag, sind die an den Rändern. Die Linken geben meiner Meinung nach gerne Geld aus, haben aber das Geldverdienen nicht auf dem Schirm und scheinen mir bei dem Thema Wirtschaft nicht kompetent. Außerdem wollen sie näher an Russland, weg von den USA und raus aus der NATO - diese Vorstellung erscheint mir sicherheitspolitisch unverantwortlich, schon wegen Putin, der prinzipiell undemokratisch ist, die Welt schon oft belogen hat und inzwischen einen Propagandakrieg zur Spaltung Europas führt.

Die CSU fällt mir auf Bundesebene nur durch meiner Meinung nach überflüssige bis fremdenfeindliche, populistische Vorschläge auf, die in den meisten Fällen auch noch mit dem EU-Recht kollidieren. Da werden von Seehofer und Söder Ängste und Neid geschürt, die die Wähler allerdings nicht wie vermutlich gewünscht zur CSU locken, sondern in die Hände der AFD treiben.

Die FDP ist zwar keine demokratische Randpartei, aber "Freiheit der Märkte" ist inmitten einer sozialen Krise - und das ist das Erstarken der AFD im Grunde - einfach das falsche Signal.

Den meisten der Parteien der bürgerlichen Mitte ist gemein, dass sie den (vermeintlich) Abgehängten und denen, die davor große Angst haben, Abgehängte zu werden, nicht zugehört und/oder sie nicht ausreichend beachtet haben. Nur die AFD beziehungsweise Menschen, die hoff(t)en, sich über eine neue Partei zu profilieren und zu Macht zu gelangen, haben sie gehört, ihre Chance gewittert und diese Partei gegründet.

Die AFD ist noch schlimmer als die CSU, ihre Führungsriege schwingt nicht nur populistische Reden, sie "ver*rscht ihre Wähler regelrecht: Sie tut verständnisvoll und schiebt die Schuld an oft gar nicht vorhandenen Missständen Menschen zu, die für überhaupt nichts bei uns die Verantwortung tragen. Aber weil die AFD-Politiker zugehört und den (vermeintlich) Abgehängten eine Lösung vortäuschen, folgen ihnen diese. Dabei wollen die AFD-Politiker, wenn sie einmal Macht haben, die Sozialleistungen des Staates kürzen, praktisch den Ausgleich und Gegensteuerungsmaßnahmen für etwaige Ungerechtigkeiten des Systems im Wandel auch noch abschaffen. Das würde für manche ihrer Anhänger ein böses Erwachen geben. Ganz abgesehen davon, dass eine Abschottung Deutschlands und das Wiederaufrichten von Zäunen nicht nur die wirtschaftlichen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte kaputtmachen würden.

Wodurch kann der soziale Frieden hergestellt werden?

Die (vermeintlich) abgehängten Menschen müssen spüren, dass sie der restlichen Gesellschaft und der Politik nicht egal sind - und sie dürfen der Gesellschaft nicht egal sein, wenn wir alle von ihnen nicht mit in den Abgrund gezogen werden wollen. Wir alle, aber besonders die Parteien und die Menschen mit Positionen in der Politik müssen besser zuhören, welche Probleme die Leute umtreiben und wenn diese die Verdrehungen der Realität nachplappern, die Sachlagen richtig stellen. Was mir auch gleich einfällt: Die Menschen brauchen Arbeitsmöglichkeiten auch auf dem Lande, das bedeutet: Die Infrastruktur auf dem Lande darf nicht immer weiter verschlechtert (öffentliche Verkehrsmittel, Ärzte, Schulen etc.), sondern muss verbessert werden (digitale Infrastruktur ausbauen, Homeoffice-Arbeiten fördern  - seit gefühlt tausend Jahren wird darüber geredet) - Themen für die übrigens die CSU im Bund zuständig ist. Die Menschen in den Städten brauchen bezahlbare Wohnungen, dann bleibt ihnen auch noch Geld für Sport, Spaß und Konsum übrig, was für die Wirtschaft und die Innenstädte auch nicht nachteilig wäre.

Vor allem Politikern der Mitte-Parteien sei gesagt: Mehr und bessere Kommunikation braucht das Land! Politische Kommunikation darf nicht die losgelöste "Vermarktung der eigenen Partei" sein und dann ist nichts dahinter, sondern muss wirkliche Kommunikation mit den Menschen sein und sollte dann auch zu weiteren Schritten führen: zuhören, verarbeiten, Vorschläge für Lösungen ausarbeiten, überzeugen. Hört den Leuten zu und helft ihnen, sich sicherer zu fühlen. Zeigt ihnen, wie sie sich konstruktiv in demokratischen Parteien einbringen können - manche haben in der BRD noch nicht die Erfahrung gemacht, dass sie etwas zählen, sie wurden in der DDR verwaltet, bei der Wiedervereinigung übergangen und fühlen sich bis heute ignoriert, manche vielleicht auch überfordert.

Offensichtlich brauchen viele Menschen und auch Unternehmen mehr Hilfe und Hilfestellung in Zeiten des ständigen Wandels. Allerdings sollten nicht einfach Entschädigungszahlungen wie Kamellen über betroffene Gruppen geworfen werden, denn das verschiebt nur das Unabwendbare und würgt Eigeninitiativen ab, sondern man könnte mit Geld für potenziell Betroffene und Unternehmen Anreize setzen, den Wandel schon beim ersten Anzeichen offensiv und konstruktiv anzugehen, beispielsweise die Branche zu wechseln (von Kohle zu Erneuerbarer Energie), sich umschulen/weiterbilden zu lassen beziehungsweise umzuschulen etc.

Selbst wenn solche Maßnahmen zusätzliche Ausgaben bedeuten würden, was ja nicht sein muss, wenn man bei weniger wichtigen Projekten spart (apropos: wie wichtig war ein neues Punktesystem für Verkehrssünder?): Unser sozialer Frieden im Lande und in Europa muss eine ganz hohe Priorität haben, muss sogar wichtiger sein als eine schwarze Null. Nur dann sind wir alle für die Herausforderungen unserer Zeit gewappnet.

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Sonntag, 13. März 2016

Die Piraten sind weg

Gedanken an die Piratenpartei können an Tagen mit erschreckend hohen Wählerstimmen für die AfD emotional aufrichten. (Kommentar)


Die Piraten sind weg! Und so wird es in ein paar Jahren auch mit der AfD sein - denn die AfDler haben keine Lösungen für die heutige Welt oder die Welt von morgen.

Die Piraten hatten allerdings neue Ideen und Gedankenanstöße gegeben - manche interessant und neu. Leider haben einige von ihnen auch gezeigt, wie leicht es manchen Menschen fällt, andere Menschen, ohne mit der Wimper zu zucken, zu enteignen, weil es ihnen gerade in die Philosophie passt.

Vom Wahlergebnis der AfD (und der NPD) lernt man, bei wie viel Prozent der Mitbürger Fremdenangst und Fremdenhass größer sind als das Einfühlen in das schlimme Schicksal anderer. Sie reden von deutscher und christlicher Kultur, aber haben selbst anscheinend keine. Eigentlich waren diese Menschen immer da, man hat es nur nicht in Zahlen gesehen.

Ich hoffe, es wird bald Lösungen für Syrien und andere Krisengebiete geben sowie eine europäische Lösung für Zuwanderungssituationen gefunden, die auch hilfreich für die Vertriebenen und Schutzsuchenden sind und nicht nur ein Wegschieben des Leids. Und ich hoffe, dass die AFD-Wähler mit der Zeit (und durch uns) lernen, dass Fremde und Fremdes nicht schlecht sind und sie nicht nur nehmen, sondern auch viel Gutes zu uns bringen - abgesehen davon, dass wir wegen der Überalterung unseres Landes Zuwanderung brauchen, denn sonst bekommen auch die AfD-Wähler-Kinder und -Enkel keine Rente mehr.

Ich hoffe, nein, ich bin fast sicher: Wie bei den Piraten werden die anderen Parteien manches als Gedankenanstöße verwerten. Es gibt zwar bei den AFDlern keine innovativen Visionen wie bei den Piraten, sondern nur die eigenen Befindlichkeiten, Angst vor dem Neuen gefolgt von Fremdenfeindlichkeit und Rückwärtsgewandtheit. Aber ihr Emporkommen sollte die Parteien der bürgerlichen Mitte lehren, dass niemand vergessen werden darf. Dass die Menschen aufgeklärt werden müssen über Digitalisierung, Globalisierung und Finanzkrisen und dass sie neben Bildung für alle auch faire Chancen beispielsweise zur Umschulung bekommen, um sich dem ständigen Wandel anpassen zu können.

Die (vermeintlich) Abgehängten dürfen nicht länger ignoriert werden, denn ohne sozialen Frieden ist alles nichts - für uns alle. Es muss diesen von Populisten und auch von Putins Propagandaapparaten Fehlinformierten begreiflich gemacht werden, dass wir unsere Errungenschaften verlieren, wenn wir stehenbleiben oder gar rückwärts gehen und uns einzäunen - am Ende stehen da Armut und Kriege wie vor hundert Jahren. Und sie müssen erfahren, dass sie sich konstruktiv bei der Zukunftsgestaltung einbringen können.

Nur leider muss ich, bis es soweit ist, das Fernsehgerät und das Radio öfter mal ausschalten, denn manche der Politikgestalten halte ich einfach nicht lange in Wort und Bild aus, wenn sie sich in Talkshows und Interviews austoben. Das war aber auch bei einigen der Piraten so. Und es ist auch so bei ... hm: Wagenknecht ... und bei Seehofer, Söder, Stoiber ... de Maizière ... die Liste ist lang und rein subjektiv. Ich höre jetzt lieber auf und esse eine Pizza. Oder doch lieber ein italienisches Eis oder gar einen türkischen Döner? Den ehemals Fremden und heutigen Mitbürgern sei dank, gibt es ja genug Vielfalt zur Auswahl.


Donnerstag, 11. Juli 2013

Plausible Deniability - glaubhafte Abstreitbarkeit

Zum ersten Mal habe ich von dem Begriff "Plausible Deniability" im Presseclub "Vorsicht Freund hört mit" am 7. Juli 2013 gehört, bei dem es um die intensiven Abhöraktivitäten von Geheimdiensten wie der National Security Agency (NSA) und der Government Communications Headquarters (GCHQ) sowie weitere Offenlegungen, die wir dem Whistleblower Edward Snowden zu verdanken haben, ging.

"Plausible Deniability" sei ein Konzept, das die plausible Leugbarkeit ermöglicht. Nein, ich kannte Prism nicht, kann man beispielsweise sagen, wenn einem der Projektname Prism wohlweislich nicht mitgeteilt wurde. Das bedeutet jedoch nicht, dass man nichts von einer flächendeckenden Ausspionierung von Daten wusste oder von dem, was der ausländische Geheimdienst sonst so tat. Es wurde vielleicht in Gesprächen ein anderer Name, z. B. ein Codename, verwendet, oder man fragte bewusst nicht nach, um sich später in eine Wolke der Unwissenheit hüllen zu können.

Als ich recherchierte, stellte ich fest, dass "Plausible Deniability" tatsächlich gar nichts Neues ist, bei Wikipedia gibt es längliche Ausführungen zur "Glaubhaften Abstreitbarket". "Plausible Deniability" ist ein Konzept der "Spurenvermeidung" in der Politik, die in den USA in den 1950er Jahren entwickelt wurde: Führungsstrukturen und Befehlsketten werden so gestaltet, dass sie bei Bedarf gut abgestritten werden können, so dass beispielsweise ein Politiker nicht zur Verantwortung gezogen werden kann.

Wenn ich nun lese, dass die Kanzlerin bei Fragen der Wochenzeitung DIE ZEIT zum Thema Prism gesagt habe, sie habe vom US-Spionageprogramm "durch die aktuelle Berichterstattung Kenntnis genommen" und auf die Verantwortung des Kanzleramtsministers für Geheimdienste hinweist, erinnerte das doch unwillkürlich an das Konzept "Plausible Deniability" und irgendwie auch an Bill Clinton's "I did not have sexual relations with that woman". Hat sie möglicherweise nur den Namen Prism nicht gekannt?

Wenn ich desweiteren lese, dass Bundesinnenminister Friedrich sich dahingehend äußert, dass das deutsche Rechtssystem nicht betroffen sei, wenn Datenströme über ausländische Server laufen und die Daten deutscher Bürger und Unternehmen außerhalb von deutschem Boden ausspioniert werden, dann sieht er offensichtlich nicht den Gesprächsbedarf mit ausländischen Regierungen zu eben diesem international zu behandelnden Thema, nicht den Diskussionsbedarf mit eigenen Bürgern und nicht die Notwendigkeit, Bürger-/Menschenrechte, Wirtschaft (Stichwort Industriespionage) und Demokratie zu schützen. Die öffentlich geäußerte Empörung der amtierenden Regierungspolitiker anlässlich der Offenlegungen von Edward Snowden beziehen sich meines Wissens nur auf die verwanzten Botschaften und EU-Gebäude, nicht auf die Ausspionierung der ganz normalen Menschen.

Das ist nicht gut. Die zunehmende Digitalisierung schafft immer neue Möglichkeiten, uns zu überwachen. Es darf aber nicht sein, dass das angebliche "Neuland" zum rechtsfreien Raum für die Politik wird, die die Verantwortung abschiebt, weil Verbindungen und Server außerhalb von deutschem Boden liegen und fremde Geheimdienste die Drecksarbeit erledigen, während man selbst seine Hände in Unschuld wäscht. Unsere Regierung muss offenlegen, was sie wann wusste und billigend in Kauf nahm. Wir müssen sicher sein, dass nicht mit Hilfe von Digitalisierung, länderübergreifenden Netzen und "Plausible Deniability" mal eben Bürger- und Menschenrechte und die Demokratie ausgehebelt werden können.
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