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Montag, 5. Januar 2015

Business-Outfits versus Kleidung im Job - ein paar Gedanken

Jeder Modekatalog und jeder Online-Shop für Bekleidung enthält eine Abteilung "Business-Outfits". Dabei entspricht der strenge Businessstil nur bei wenigen dem, was sie üblicherweise im Job anziehen.

Als ich meine Web-App www.mein-outfitarchiv.de mit Outfits aus meinem Kleiderschrank bestückte, kam ich bei der Kategorie "Business" für Businessmode/Businesskleidung ins Grübeln. Hat ein Business-Outfit tatsächlich etwas mit der üblichen Kleidung am Arbeitsplatz zu tun? Wohl eher nicht, denn dann stände Businessstil für alles, was man beruflich trägt vom Blaumann über den Arztkittel bis zum Astronautenanzug.

Ein formelles Business-Outfit ist nur
bei wenigen die Kleidung im Berufsalltag
Stattdessen steht strenger Businessstil für einen formellen Chic - klassischer Hosenanzug oder Kostüm -, dunkel im Winter, helle gedeckte Farben im Sommer. Für Kleidung, die durch ihre strengere Form Format verleihen soll.

Sicher, manch einer will sich mit Businesskleidung mehr Wichtigkeit verleihen, als ihm/ihr zusteht, andererseits kann Businesskleidung auch ein Zeichen von Respekt gegenüber dem eigenen Auftrag oder dem Gegenüber sein. Sie sagt, dass man die persönliche Bequemlichkeit oder Selbstdarstellung hinter einer selbst gewählten oder zugewiesenen Rolle/Aufgabe des Arbeitgebers mehr oder weniger zurückstellt.

Strenge Business-Outfits passen nicht zu jedem Beruf

Strenge Businesskleidung hatte in meinem Berufsleben bisher wenig Bedeutung, obwohl ich meinen Beruf immer sehr wichtig genommen habe und auch nicht die schlechtesten Berufe hatte.

Aber wäre ich als Gartenbau-Ingenieurin oder später als technische Redakteurin in der Informationstechnologie/Telekommunikation in formeller Business-Kleidung zur Arbeit gekommen, hätten mich wohl alle schief angeschaut, obwohl ich in beiden Fällen fast überwiegend im Büro am Computer gearbeitet habe.

Im Gartenbau hätte der Business-Anzug signalisiert, dass Zupacken nicht meine Sache sei - den KollegInnen, dem/der Vorgesetzten und den KundInnen bzw. der Klientel (Gärtner, andere Praktiker, Wissenschaftler, Hobbygärtner, Presse).

In der technischen Redaktion hätten RedakteurskollegInnen mir vermutlich übermäßigen Ehrgeiz unterstellt; Entwickler und Tester, mit denen ich besonders gerne zusammengearbeitet habe, hätten mich, die Businessanzug tragende Person, vermutlich automatisch in die Marketing-Schiene einsortiert - eine Spezies, die bei Spezialisten aus der IT nicht allzu beliebt ist, weil man ihr gerne unterstellt, sich grundsätzlich zu wichtig zu nehmen.

Formelle Business-Outfits durfte/musste ich bisher nur zu Vorstellungsgesprächen, bei Vortragsveranstaltungen oder auf Messen anziehen.

Das Outfit in der Kunden-Kommunikation

Ein Outfit ist auch "Kommunikation", denn es bestimmt den ersten Eindruck.

Wie formell das Business-Outfit sein darf oder muss, hängt davon ab, in welcher Branche man arbeitet und was dort üblich ist, welche Position man innehat, wie sehr man das Unternehmen repräsentieren muss, ob man Kundenkontakt hat, welcher Art die Kunden sind, welche Wirkung man beim Kunden mit der Kleidung erzielen will/soll/muss.

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Bankangestellte genauso wie Standesbeamte und Marketingberater tragen beispielsweise Businesskleidung auch aus Respekt vor dem Kunden (und dem Wert seines Geldes bzw. der Bedeutsamkeit seines Handelns) - sie müssen Sorgfalt und Zuverlässigkeit ausstrahlen und die Kleidung muss in perfektem Zustand sein. Sie tragen daher tatsächlich oft sehr formelle Businesss-Kleidung.

Es gibt allerdings auch Gelegenheiten, bei denen Gummistiefel und hochgekrempelte Ärmel selbst bei denen, die normalerweise im strengen Business-Outfit zur Arbeit müssen, das wirkungsvollere Signal senden - was inzwischen besonders PolitikerInnen bei ihren Medienterminen gut einzusetzen wissen.

Legere Business-Outfits ("Business Casual")

Wer nicht am Schreibtisch arbeitet, hat meistens eine Berufskleidung (Uniform, Overall, Kittel o. ä.), die seine persönliche Kleidung schützt oder verbirgt. Die, die strenge Business-Outfits - also Anzug oder Kostüm - tragen müssen, ziehen im Prinzip auch eine Uniform an, bei der es eingeschränkte Variationsmöglichkeiten gibt. Alle anderen müssen sich Tag für Tag überlegen, wie sie sich für die Arbeit passend anziehen und sich gleichzeitig wohlfühlen.

Manchen reicht es, wenn ihre Kleidung sauber, nicht allzu zerknittert und ohne Löcher ist. Für die, die mehr wollen, ist "Business Casual" die Lösung. Dabei werden Kleidungsstücke (in einwandfreiem Zustand) so zu einem Outfit zusammengestellt, dass sie ein stimmiges Bild der Person bieten - stimmig bezieht sich auf die Optik (Farbkombination, Form etc.), die Persönlichkeit des Trägers und die Aufgabe im Job/Team. Für den Fall, dass man vom Chef oder Auftraggeber zu einem Kundengespräch hinzugeholt wird, kann man vorsorglich einen Blazer* auf einem Bügel im Büro hängen haben, mit dem man dem legeren Outfit in Sekunden etwas mehr Form verleihen kann.

Outfits für das Home-Office

Alleine im Home-Office als Bloggerin, Journalistin, Autorin, Texterin und technische Redakteurin kann ich natürlich anziehen, was ich will. Ich würde mich "overdressed" fühlen, wenn ich im Hosenanzug oder Kostümchen am Schreibtisch säße, andererseits geht zu viel Schlampigkeit aufs Gemüt. Ich persönlich fühle mich beim Arbeiten am wohlsten mit bequemen, modischen Outfits im "Business-Casual"-Stil nach meinem Geschmack. Damit signalisiere ich mir selbst: Ich bin "wertvoll" genug, mich für mich selbst ein bisschen schön zu machen. Und ich gerate auch nicht in Panik, wenn es unerwartet an der Tür klingelt.

Ich gebe zu, dass ich es manchmal im Laufe meines Berufslebens bedauert habe, mich für die Arbeit nicht schick aufbrezeln zu können - aber nur an 2 von 300 Tagen, an den anderen genoß und genieße ich es, frei zu sein.

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* Werbelink

Donnerstag, 3. April 2014

Laienhafte Gebrauchsanleitung wirft schlechtes Licht auf das Produkt

Gerade der Zusammenbau und die erste Inbetriebnahme eines neuen Produktes kann darüber entscheiden, ob der Kunde zum Markenbotschafter oder zum Reklamationsfall wird. Dementsprechend viel Wert sollte auf eine gute Gebrauchsanleitung bzw. Produktdokumentation gelegt werden.

Gerade habe ich mir ein neues und sehr teures Produkt mit einem elektronischen Bestandteil bei einem deutschen Mittelstandsunternehmen gekauft. Bei diesem Produkt habe ich ausnahmsweise nicht gespart, ich wollte hier den Mercedes unter diesen Produkten - von der Optik und der Funktion her.

Alles klappte auch wunderbar - das sehr sperrige Stück kam wie vereinbart und war so wunderschön wie erwartet. Doch als ich es zusammenbauen und in Betrieb nehmen wollte, kam der Frust: Statt einer ordentlich gegliederten und für den Neuling verständlichen Produktdokumentation/Gebrauchsanleitung, die beispielsweise enthalten sollte:
  • KORREKTE Bestandteile-Übersicht in Bildern und mit Namen, 
  • Warnhinweise gebündelt, 
  • KORREKTE Schritt-für-Schritt-Zusammenbau-Anleitung,
  • KORREKTE Schritt-für-Schritt-Anleitung zur ersten Inbetriebnahme, 
  • Sonstige Gebrauchsanleitung, 
  • KORREKTE Wartungs- und Pflegetipps
  • sowie Service- und Garantieinformationen, 
gab es ein paar zusammengetackerte Zettel mit schlecht kopierten Texten und Grafiken der Zulieferer. Es fehlte eine Übersicht, welche Bestandteile überhaupt im Lieferumfang enthalten sein sollten und wie diese heißen. So wusste man beim Lesen des Textes oft nicht, von was da überhaupt die Rede ist. Namen und Begriffe wurden nicht erklärt und nicht eindeutig eingesetzt. Zwar fand man an einigen Stellen im Text eine Bezugnahme auf Grafiken, doch da es verschiedene namenlose Grafiksequenzen gab - am Anfang und ganz zum Schluss -, die die gleichen Ziffern verwendeten, wusste man nicht, welche von diesen jeweils gemeint war. Man lernte jedoch mit der Zeit, dass der Text sich in der Regel auf die Grafiken des ersten Grafiksatzes bezog. Leider war dort ein Bauteil gar nicht aufgeführt, das aber vor mir lag. Es tauchte auch nie im Text auf, war jedoch in der Grafiksequenz auf der letzten Seite abgebildet - aber es war nicht erkennbar, wo es genau hinsollte und wofür es gut sein könnte. Andere Zuweisungen waren sogar fehlerhaft und es wurde auch schon mal rechts und links verwechselt.

Schlechte Gebrauchsanleitungen sind leider kein Einzelfall

Leider sparen Unternehmen viel zu oft an der Produktdokumentation bzw. den Gebrauchsanleitungen. Sie lassen sie von Teamassistenten, Vertrieblern oder Technikern schreiben - und verärgern ihre Kunden, die das neue Produkt nach dem Auspacken mit einer laienhaft verfassten Anleitung in der Hand als unausgereift und kompliziert erleben. Dabei gibt es erfahrene technische Redakteure wie mich und andere, die darauf spezialisiert sind, Produktdokumentationen, Gebrauchsanleitungen, Handbücher und Online-Hilfen so zu schreiben, dass der Kunde bzw. der Anwender ein gutes Erlebnis und noch mehr Freude mit seinem neuen Produkt hat. Wir  haben gelernt, wie man Struktur, Sprache und Bilder so einsetzt, dass der Kunde keine Zeit mit Puzzleteileraten verschwenden muss oder das neue Produkt durch fehlerhaften Gebrauch beschädigt. Außerdem kann man mit etwas Geschick die Gebrauchsanleitung dazu nutzen, die Wertigkeit des Produktes zu unterstreichen, ohne dass es als plumpes Werbegewäsch rüberkommt.

Nur ein in jeder Hinsicht zufriedener Kunde wird für ein Produkt, eine Marke oder ein Unternehmen zum positiven Botschafter. Und eine gute Gebrauchsanleitung ist für das Kundenerlebnis entscheidend. Wer hier den technischen Redakteur einspart, spart am falschen Fleck.