Freitag, 26. Januar 2018

Was machen erfolgreiche YouTuberInnen besser

Mich hat interessiert, was die YouTube-Plattform so erfolgreich macht, wie man selbst Videos erstellt, bearbeitet und veröffentlicht und wie leicht oder schwer es ist, als YouTube Creator mit Videos auf YouTube Geld zu verdienen.

Meine Beobachtungen und Tipps, wie man auf YouTube erfolgreich wird.

Ich selbst habe nur einen kleinen YouTube-Kanal mit einigen Garten- und DIY-Videos. Ich habe ihn nicht erstellt, um ein YouTube-Star zu werden - meine Berufung sehe ich mehr in der Weitergabe von Wissen und Erfahrungen über Texte in Kombination mit Grafiken, Bildern und eventuell Videos -, aber durch ihn und weitere Recherchen konnte ich Wissen und Erfahrungen sammeln.

YouTube: Video-Upload-Übersicht meines YouTube-Kanals

Apropos Geld verdienen

Was das Geldverdienen mit Werbung anbetrifft, hat das YouTube Partnerprogramm (YPP) gerade die Spielregeln geändert: Google, die Muttergesellschaft von YouTube, hat am 16. Januar 2018 angekündigt, dass nur noch am YPP teilnehmen darf, wer in den letzten 12 Monaten mindestens 4000 Stunden Wiedergabezeit erreicht und außerdem 1.000 Abonnenten hat. Allen anderen wird der Partnerstatus am 20. Februar 2018 entzogen. Dadurch verlieren sie die Möglichkeit, ihren Content über das YPP (in Kombination mit Google Adsense) zu monetarisieren - sprich ein paar Cents mit Werbeeinblendungen durch YPP in oder neben ihren Videos zu verdienen (soweit derzeit abzusehen ist, kann man aber noch Geld verdienen, indem man sich Sponsoren sucht, Werbelinks in die Videobeschreibungen setzt, auch Links zum eigenen "Merch" (Fanprodukte), oder indem man seine Videos in eigene Webseiten mit Werbung einbettet.).

Erfolg hat seinen Preis

Die erfolgreichen YouTuberInnen (YouTube Creators, YouTube-MacherInnen, YouTube-VideokünstlerInnen, YouTube Vloggers), wie beispielsweise Liza Koshy aus Houston/Texas (USA), Lilly Singh aus der Nähe von Toronto (Kanada) und James Charles aus New York (USA), alle inzwischen wohnhaft in Los Angeles/Kalifornien, haben solche Hürden längst hinter sich gelassen. Sie haben mehrere Millionen Abonnenten und ihre Videos werden ebenfalls millionenfach angeschaut. Für sie ist YouTube nicht nur ein kleiner Zusatzverdienst, wie für uns kleinste YouTube-VideomacherInnen, sondern sie fahren richtig große Einnahmen mit Werbung und durch ergänzende Tätigkeiten (Moderation von Veranstaltungen, Gastrollen beim Fernsehen, Buchprojekte etc.) pro Jahr ein.

Liza Koshy, früher bei Vine, jetzt ein YouTube-Star im Bereich Sketch-Comedy:


Inzwischen hat Liza die Hauptrolle in einer YouTube-Premium-Serie und ist Moderatorin der Spielshow Double Dare bei Nickelodeon.

Die erfolgreichen YouTube Creators haben zwar enorm viele Fans - davon können manche Hollywood-SchauspielerInnen nur träumen -, aber sie haben auch viele Neider, die meinen, diese würden ihr Geld doch zu leicht verdienen. Sie sehen nicht den Preis, den die meisten Top-YouTuberInnen für den Erfolg zahlen: der selbstausbeuterische Arbeitsalltag, Termindruck, der Zwang, ständig körperlich und geistig fit zu sein und neue Ideen haben zu müssen, die beständige Öffentlichkeit, die vielen Hasskommentare gegen sie selbst, ihre Familie, Rasse, Religion oder irgendwelche Eigenschaften, der ganze organisatorische Aufwand, der ebenfalls erledigt werden muss, kaum Erholungs- oder Freizeit etc.

Lilly Singh alias iiSuperwomanii über YouTuberInnen „The Truth About YouTubers”

Lilly hat inzwischen ihre eigene Produktionsfirma, Unicorn Island Productions, gegründet.

Wie schafft man es nach ganz oben?

Was erfolgreiche YouTuberInnen anders/besser machen als andere? Dies sind meine Beobachtungen:
  • Die erfolgreichen YouTuberInnen haben neben ihren speziellen kreativen, künstlerischen und/oder darstellerischen Talenten eine Vision, Botschaft oder Attitüde, die sie mit ihrer Zielgruppe teilen wollen. 
  • Sie suchen Aufmerksamkeit und Anerkennung, sie sind ambitioniert, ehrgeizig und Workoholics: Ihrer Arbeit widmen sie all ihre Kreativität, Kraft und Zeit.
  • Oft haben sie schon im Alter von 14 oder 15 Jahren angefangen, mit Video Creating zu experimentieren - viele zuerst mit Vine (einer App für 6-Sekunden-Videos - gibt es inzwischen nicht mehr) und danach mit YouTube (inzwischen spielen auch Instagram Stories und Snapchat eine große Rolle). Sie haben nicht aufgegeben, bis sie ihr persönliches Profil als YouTuber und Internet-Persönlichkeit geformt und geschärft haben und die Fans kamen.
  • Ihre Fans sind in den sozialen Medien, viele von ihnen auf der Suche nach Vorbildern.
  • Den erfolgreichen YouTubern sind ihre Fans heilig - sie wissen, dass sie nur durch ihre Fans ihrem Beruf als kreativ Selbstständige eigenverantwortlich nachgehen können.
  • Umgekehrt geben die Fans ihnen viel Motivation und Kraft, an sich zu arbeiten und schwierige Zeiten (nicht nachvollziehbare Verringerung der Sichtbarkeit bei YouTube, Hasskommentare, Stress etc.) zu überstehen.
  • Erfolgreiche YouTube Creators versuchen, jedes Video in möglichst guter Qualität zu erstellen – nicht nur, was die Bild- und Tonqualität, sondern auch was Inhalt, Aufbau, Pointen, ihre Darstellungskünste (Sprechen, Schauspielern, Tanzen, Singen etc.) vor der Kamera betrifft. Aus 8 Stunden Filmmaterial werden oft nur 30 Minuten oder weniger Beitrag.
  • Sie wählen und bespielen die Themen so, dass die Videos für ihre Zielgruppe den größtmöglichen Nutzen haben (egal, ob es um Vergnügen oder Lerneffekt geht).
  • Erfolgreiche YouTube-Videoschaffende bauen sich zu einer persönlichen Marke mit eigenem Motto und individuellem Stil auf. Dazu gehören beispielsweise ein immer gleicher Vorspann und Abspann (feste Gestaltungselemente und Begrüßungsmusik) und Art der Ansprache der Fans - entweder für den ganzen Kanal oder für bestimmte "Videoserien" (Playlists) innerhalb ihres Kanals. Die Fans fühlen sich in der vertrauten Umgebung wohl und eingestimmt.
  • Viele erfolgreiche YouTuberInnen, vor allem die VloggerInnen, begegnen ihren Fans auf Augenhöhe, geben ihnen das Gefühl, sie persönlich direkt anzusprechen, lassen sie an ihrem Leben teilnehmen.
  • Jede/jeder erfolgreiche YouTuberIn hat klein angefangen, aber die an der Spitze sind nicht nach den ersten Erfolgen stehengeblieben, sondern haben in jeder Etappe des Weges Zeit und Geld in Equipment, Handwerk, Locations, Teamaufbau und in die persönliche Weiterentwicklung investiert.

    Anzeigen
    Systemkamera
    Notebook


  • Erfolgreiche YouTuber veröffentlichen ihre Videos regelmäßig in kleinen Abständen (Beispiel Lilly Singh: zweimal wöchentlich neue Videos für ihren YouTube-Sketch-/Comedy-Kanal iiSuperwomanii (gedreht wird nach selbst erstellten Skripts) plus fast täglichen Videos für ihren YouTube-Videoblog [Vlog] SuperwomanVlogs).
  • Erfolgreiche YouTube Creators umgeben sich mit Menschen, die sie (künstlerisch) inspirieren und bei ihrer Entwicklung unterstützen - auch dabei, sich an Neues zu wagen. 
  • Viele erfolgreiche YouTube-MacherInnen sind wegen ihrer Arbeit umgezogen - dorthin, wo sie mehr professionelle Unterstützung und Möglichkeiten zur Kollaboration mit anderen Kreativen haben. In Los Angeles, New York, Tokio, Toronto, Mumbai, Rio, London, Paris Berlin gibt es so genannte YouTube Spaces - dort können YouTube Creators mit mehr als 1.000 Abonnenten kostenlos Studios, Ausrüstung etc. nutzen. Die meisten erfolgreichen YouTuber scheint man meiner Beobachtung nach in Los Angelos zu finden.
  • Erfolgreiche YouTuberInnen stellen sich immer neuen Herausforderungen, verlassen ihre Komfortzone - egal, wie schwer die Überwindung ist -, wenn es darum geht, den nächsten Schritt Richtung Professionalisierung, Bekanntheit und Spitze zu gehen.
Ein Tag im Leben von James Charles, YouTube-Make-up-Guru, Model, Sänger und mehr


  • Sie arbeiten regelmäßig mit immer anderen YouTubern auf einem ähnlichen Bekanntheitslevel, mit Freunden, aber auch mit Prominenten aus Film, Fernsehen, Netflix etc. zusammen, indem sie beispielsweise mit ihnen zusammen Videos für beider YouTube-Kanäle drehen ("Collaborations", mit Nennung des jeweiligen Gastes im Titel und gegenseitigen Verlinkungen in den Beschreibungstexten). Dabei gewinnt jede Seite neue Fans hinzu, was den Markenwert von jedem Beteiligten steigert.
  • Erfolgreiche YouTuberInnen motivieren die Video-Zuschauer unermüdlich zur Interaktion: Mündlich und durch Einblendungen am Ende der Videos regen sie die Zuseher dazu an, das Video mit Däumchen-hoch zu bewerten, zu kommentieren, Wünsche zu neuen Themen zu äußern sowie den Kanal zu abonnieren. Bei jedem einzelnen Video machen sie Appetit auf ein weiteres!
  • Sie bewerben den eigenen YouTube-Kanal und die einzelnen Videos zusätzlich regelmäßig über ihren Blog/Webseiten und soziale Netze (Twitter, Instagram, Snapchat, Facebook etc.).
  • Sie sorgen für Öffentlichkeit und ihre Sichtbarkeit auf vielerlei Art und pflegen ihre Fans auch außerhalb des Internets: Zu Selfies sind sie immer bereit, auch privat im Supermarkt. Darüber hinaus gibt es Selfies, Umarmungen und Autogramme vor/auf/nach Veranstaltungen [Messen, Conventions (Vidcons etc.), Rote Teppiche,  Preisverleihungen (Streamy Awards etc.), YouTuber Festivals ("Video Days"), "Meet-and-Greets", auf ihren eigenen Bühnentouren)]. Auch mit Auftritten als ModeratorInnen/RednerInnen bei Preisverleihungen, als Gäste in TV- und Radio-Shows sowie als RednerInnen in Schulen sowie als DozentInnen bei Fortbildungsveranstaltungen erhöhen sie ihren Bekanntheitsgrad und ihren Markenwert. Darüber hinaus schreiben sie Bücher, drehen Filme über ihre Bühnentouren bzw. lassen drehen, sie nehmen Gastrollen in Kino- und Fernsehfilmen an, sie machen Musik, die nicht nur auf YouTube, sondern auch über Amazon etc. angeboten wird, veröffentlichen Podcasts auch über Spotify, Audible und andere Plattformen und vieles mehr. Mit anderen Worte: Sie funken und funkeln auf alle Kanälen, und sie monetarisieren sich dabei als Marke.
  • Um all das zu schaffen, bauen erfolgreiche YouTuberInnen schon bald ein Team um sich herum auf, das sie bei all dem unterstützt. Sie haben selbst ein unternehmerisches Talent und/oder habe gute AgentInnen und MitarbeiterInnen. 
  • Um die Identifizierung der MitarbeiterInnen, FreundInnen und Fans mit der Marke und den Zusammenhalt untereinander zu stärken - und sicher auch, um zusätzliche Einnahmen zu generieren -, bieten sie entsprechende Fanprodukte wie bedruckte Kappis, T-Shirts, Hoodies etc. mit der aufgedruckten Marke oder bestimmten Symbolen, die der YouTuber oder die YouTuberin häufig nutzt, an.
    Anzeige
  • Erfolgreiche YouTuberInnen kooperieren mit Unternehmen und Marken, die zu ihren Fans passen und umgekehrt, so dass man nicht nur die werbende Marke als Sponsor in ihren Videos sieht, sondern die YouTuberIn auch auf Plakaten auf den Straßen, auf Produktverpackungen sowie in Anzeigen in Zeitungen auftaucht.
  • Manche erfolgreiche YouTuberin engagiert sich als "Social Influencer" für soziale oder kulturelle Projekte aller Art, für Bildung und Selbstverständnis von Frauen/Mädchen (siehe beispielsweise GirlLove initiiert von iiSuperwomanii), gegen Hass und Ausgrenzung (siehe beispielsweise LeFloid unterstützt 361° RESPEKT!), für Minderheiten, benachteiligte Jugendliche, Opfer von Amokläufen (James Charles), Anschlägen o. A.
Die YouTuber, die ich hier vorstelle, sind sehr erfolgreich, wenn sie auch (noch) nicht in den Top Ten sind (die Spitze wird angeführt von Pewdiepie mit 64 Millionen Abonnenten - doppelt so viele, wie der zweite Platz), Lilly Singh hat knapp 14 Millionen Abonnenten auf ihrem Hauptkanal, Liza Koshy über 15 Millionen. James Charles ist mit 19 Jahren ein aufsteigender Stern und hat bereits über 6,5 Millionen Abonnenten. Diese drei sind englischsprachig und ihre Fangemeinde besteht vorwiegend aus Jugendlichen. Die potenzielle Fangemeinde eines englischsprachigen YouTube-Kanals ist natürlich viel größer als die eines deutschsprachigen YouTube-Kanals, da Englisch in vielen Ländern Amtssprache ist (USA, Kanada, Australien, Indien, Großbritannien, Südafrika etc.). Natürlich gibt es neben Unterhaltung und Schönheitsthemen noch viel mehr auf YouTube für ganz verschiedene Zielgruppen und Anliegen.

Wer YouTube zur eigenen Marken- oder Unternehmenskommunikation nutzen will, hat folgende Möglichkeiten

  • einen eigenen YouTube-Kanals aufzubauen
    (sehr zeitaufwändig und/oder teuer und es gibt keine Garantie, dass man es schafft, eine relevante Fangemeinde aufzubauen),
  • bei YouTube Werbung buchen,
  • mit YouTubern, deren Fangemeinde sich mit der eigenen Zielgruppe deckt, Brand-Deals (Werbevereinbarungen) treffen.

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